Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 195)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3476254-3476264--1569-3477706- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
195 Groschen zu verdienen oder durch eine galgenvoglerische Unordnung oder auf Kosten einer Mordthat mich zu speisen; das aJies ist jetzt vorüber. Nichts hilft jetzt, als einen Minister zu braten oder den Leuten zu sagen, dass sie ruiniert sind. Das englische Volk ist nie so glücklich, als wenn man ihm sagt, dass es zugrunde gerichtet ist." Zu bedauern ist es, dass einige Zeitungen von untergeordneter Stellung dem schlechten Beispiel der „Pall Mall Gazette" gefolgt, dennoch verbleibt diesem Joural der unbeneidenswerte Ruf, der Hauptverdreher des „Alien Immigration "-Problems zu sein. Ich werde Sie nicht wenig überraschen, wenn ich Ihnen sage, was diesem Getöse wirklich zugrunde liegt. Ich will Sie nicht mit einer langen Reihe von Zahlen und sorgsam ausgearbeiteten Berechnungen abmühen, aber ich muss Sie mit einigen Thatsachen bemühen, welche uns eine Idee über dieses enorme Verhältnis,, über diesen „riesigen Einfall" in England geben wird. Während der letzten zwölf Jahre haben Einwanderungen aller Art und Glassen die Einwohnerzahl Grossbritanniens um 66.000 vermehrt. Die allgemeine Bevölkerung hat sich in derselben Zeit um vier Millionen vermehrt. Für je 5000 Ausländer aller Art, die sich in England niedergelasssn, hat England selbst 400.000 geliefert. Welch drohender „Einfall"! Aber von diesen 66.000 „Invadero* waren nur 35 000 Juden. Sollte man es für möglich halten, dass über eine solche Handvoll von Einwanderern so grosser Lärm gemacht werden könnte! Es scheint klar, dass nur wenig Juden nöthig sind, um das Getöse anzufachen. Ich will Sie nicht ermüden, Ihnen die Klagen, die gegen die Juden in Ost-London gemacht werden, einzeln vorzuführen. Wenn Menschen darauf bestehen, andere zu schmähen, so sind sie weder vernünftig noch bescheiden. Glücklicherweise widersprechen sich Leute in diesem Urtheilszustande. Der Jude in Ost-London wird daher verwünscht,, weil er ein Bettler, er wird nicht gesegnet, weil er erfolgreich mit den Einheimischen concurrieren kann: man schildert ihn als ein Ungeheuer, das mit allen Lastern behaftet ist, mürrisch darüber, dass er nicht, wie die Einheimischen, dem Trünke ergeben ist. Er wird an den Pranger gehalten, weil er so elendiglich sparsam ist, und seiner auffallenden Pomphaftigkeit wegen verhöhnt. Doch warum die Scala weiter verfolgen? Es ist die alte Geschichte: Wenn der Eimer auf einen Stein fällt, so heisst es: Weh' dem Eimer, und wenn der Stein auf den Eimer fällt, so heisst es wiederum: Weh' dem Eimer. Was auch geschehen mag, es heisst immer: Weh' dem Eimer! Ich habe gezeigt, dass die Einwanderung von Juden nach England geringer Natur-ist, auch, dass die Totalität der jüdischen Bevölkerung verhältnismässig nur eine Handvoll. Aber eine so scheinbare Widersinnigkeit es auch scheinen mag, bieten diese