Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 186 (sequence 186)
- Language
- German, English, Hebrew
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186 Kronbergwerken abgegeben, es wurden Zeichen- und Fortbildungsschulen ins Leben gerufen. Anderwärts schuf man staatlicherseits Wanderlehrer für die Hausindustrie. Auch Absatzgenossenschaften für Producte der Hausindustrie werden staatlicherseits protegiert bei Vergebung von Staats- und Militärlieferungen. Man erkennt daraus, dass die Hausindustrie einer geschickten Organisierung und einer geregelten Subventionierung bedarf. Die erwähnte Hilfsaction für Galizien hat in der That, wenn auch in engerem, und bescheidenerem Rahmen, eine ähnliche Unterstützung und Förderung, wie sie der Staat anwendet, vorgesehen. Besonders wird Gegenstand einer warmen Fürsorge die Regelung des Absatzes sein müssen. Die Action des B'nei-B'rith-Ordens, welche sich auf die Theilnahme der gutsituierten jüdischen Bourgeoisie stützen kann, lässt sich durch unsere Volksbewegung wirksam ergänzen. Nach Massgabe unserer Kräfte und der Bereitwilligkeit anderer Organisationen, hier mitzuhelfen, wäre die Ausdehnung der gleichen Einrichtungen auch auf andere Länder, zum Beispiel Russland und Rumänien, erstrebenswert. Die Erlernung und Einübung der verschiedenen technischen Fertigkeiten und die Gewöhnung an regelmässige Arbeit trägt einen erzieherischen und vorbereitenden Wert in sich. Der Zusammenschluss und die Erweiterung solcher Hausindustrien in gemeinsamen Werkstätten und Betrieben wäre der Anfang zu den im vorigen Jahre auf dem Congresse empfohlenen und jetzt von Dr. Nordau ausführlich besprochenen Pro duct-iv- Genossenschafte n.Im allgemeinen sind ja die Erfahrungen, die man mit Productiv-Genossenschaften für Handwerker gemacht hat, wenig ermuthigend. Selbst in englischen Berichten wird über die enormen wSchwierigkeiten und die geringen Fortschritte der Productiv-Genossenschaften geklagt. Einen Kampf gegen die Grossindustrie aufzunehmen, scheint den Productiv-Genossenschaften nirgends oder doch nur mit ergiebiger staatlicher Unterstützung gelungen zu sein. Das jüdische Handwerk leidet aber nicht nur unter der Concurrenz der Grossindustrie. Die jüdischen Handwerker Osteuropas hungern, weil es einen Ueberfluss von Handwerkern gibt. Productiv - Genossenschaften können nur dann nützen, wenn, wie das Programm des vierten Congresses schon verlangt, es gelingen würde, bestimmte sichere Absatzgebiete für deren Producte zu erschliessen. Wir müssten hier der persönlichen und materiellen Unterstützung weiter jüdischer Kaufmannskreise zuvörderst gewiss sein. An und. für sich wären die Productiv-Genossenschaften im Sinne der Vorbereitung wohl zu begrüssen. Auch wenn es uns gelingen sollte, die jüdische Jugend solchen Arten von Handwerken zuzuführen, die, wie viele Bau- und Kunsthandwerke unter der Gewalt der Grossindustrie weniger zu leiden haben, dürfte eine ge-