Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 185 (sequence 185)
- Language
- German, English, Hebrew
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185 immerhin Einzelexistenzen zu retten, besonders wenn die von uns befürwortete Einwirkung auf das heranwachsende Geschlecht eingetreten sein wird. Aus dem düsteren Chaos des ökonomischen Tbatsachenmateriales hebt sich die These heraus, dass es verhältnismässig leichter ist, für den gelernten Handwerker, Handeisbefiissenen oder Arbeiter Beschäftigung zu finden, als für den ungelernten. Unsere Arbeitsnachweisstellen harren ferner noch einer Concent'ation und Centralisation behufs Austausch von Menschen- und Erfahrungsmaterial. Auch die Forderung, den Arbeitsnachweis zur Sache der jüdischen Gemeinden zu machen, ist sehr berechtigt und auch aussichtsvoll. Je solider die Basis, je weiter der Spielraum, umso grösser wird der Erfolg sein. Das traurigste Capitel in der bisherigen Geschichte des jüdischen Arbeitsnachweiswesens ist die leider fast in allen Ländern constatierte Thatsache der Abneigung und Animosität, die viele jüdische Arbeitgeber jüdischen Arbeitern entgegenbringen. Die Ausdehnung mancher mit löblichem Eifer geleiteten Arbeitsnachweisstätte bei uns in Deutschland findet ihre Grenzen in den fremdenpolizeilichen Bestimmungen, weiche den Zuzug grösserer jüdischer Arbeitermassen aus dem Osten hintanhalten. Die Verbindung des Arbeitszuweises mit dem Armen- und Passantenwesen verspricht Erfolg. Als ein Mittel der Arbeitsversorgung ist in dem bekannten Plane einer galizischen Hilfsaction seitens des B'nei B'rith-Ordens auch die Schaffung von Hausindustrien vorgesehen. Dieses Mittel hat an und für sich den Vorzug, auch minder kräftige Individuen, besonders auch Frauen, mit Arbeit zu versorgen. Die Einführung dieses Mittels in unser Programm kann ich nur unter gewissen Cautelen empfehlen, welche vor allem die Durchführung einer Wohnungshygiene, das Verbot von Kinderarbeit und die Einschränkung der Frauenarbeit, den Ausschluss eines Schwitzsystems und von Zwischenmeistern betreffen. Der Lohn ist ja meist bei diesen Hausindustrien kärglich, aber er kann keineswegs unter den Stand der gegenwärtigen jämmerlichen Lohnverhältnisse unserer jüdischen Arbeiter und Handwerker im Osten sinken. Was die socialpolitische und socialtechnische Seite der Hausindustrien betrifft, so ist deren Gedeihen meist nur dort beobachtet worden, wo die Staatsfürsorge für sie eintrat. So hat Russiand zum Beispiel im Jahre 1898 100.000 Rubel zur Förderung der Hausindustrien ausgegeben. Den Depots für Producte der Hausindustrien wurden unverzinsliche Darlehen bewilligt, auch finanzielle Zuschüsse zur Organisierung von Werkstätten. Prämien wurden ausgesetzt für die besten Arbeiten der Hausindustrien, billige Rohstoffe aus Kronwaldungen und