Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 184 (sequence 184)
- Language
- German, English, Hebrew
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184 bei der Erziehung berücksichtigen; die Fortbildung junger Kaufmannseleven wird sich wohl leicht ermöglichen lassen. Das Beispiel der Toynbee-Hallen lehrt uns, dass wir sicher um die. Beschaffung von Lehrkräften nicht zu bangen brauchen. Es ist nach den Ausführungen Nordaus wohl kaum nöthig, Worte darüber zu verlieren, dass, so weit unser Einfluss bei der jüdischen Jugend reicht, wir denselben frühzeitig geltend machen müssen zur Verhütung der Heranziehung eines Gelehrtenproletariats. bezüglich der weiblichen Jugend ergeben die Statistiken unserer westlichen Länder einen überraschend grossen Percentsatz selbstthätiger Erwerbspersonen. Mutatis mutandis gilt in Bezug auf die Vor-, Aus- und Fortbildung in gewerblichen Fächern und Fähigkeiten, sowie in Bezug auf den kaufmännischen Beruf das von der männlichen Jugend Gesagte. Bezüglich der Dienstbotenfrage scheinen die angefangenen Bestrebungen der zionistischen Frauen bis jetzt praktische Resultate nicht erzielt zu haben. Es muss hier eine rührige Agitation unter der ärmeren jüdischen Bevölkerung einsetzen, die Ausbildung der denselben enstammenden Mädchen in den Thätigkeiten und Fächern des Haushaltes ermöglicht, der Arbeits- und Stellennachweis organisiert werden. Betreffs der ebenfalls aufgerollten Frage der Ausbildung der jüdischen Krankenpflegerinnen haben die Versuche in Deutschland sich aufs glänzendste bewährt. Eine beschränkte .Anzahl jüdischer Mädchen kann hier einen ehrenvollen, befriedigenden Lebensberuf finden. An die Obhut über die Erziehung und Fachbildung der Jugend reiht sich die Arbeitsversorg ung an: Hier starren uns als Schreckensgespenste die beiden Erscheinungen entgegen:, der antisemitische Boycott jüdischer Arbeit und die Ueberfüllung der einzelnen Berufsa'ten, deren Anblick jeden Schritt nach vorwärts zu hemmen droht. Angesichts des Riesen-Ueberschusses jüdischer Handwerker im russischen Rayon, der fortschreitenden Berufseinengung in Rumänien, dem mit antisemitischem Volldampf betriebenen wirtschaftlichen Kampfe gegen die Juden Galiziens — bleibt hier etwas anderes zu sagen übrig, als ein non possumus.? Wäre hier eine erfolgreiche Versorgung mit Arbeit und die Erreichung eines anständigen Fortkommens denkbar ohne Emigrätion, viele von uns stünden vielleicht heute nicht hier. Vergessen wir aber nicht, dass es unser eifriges Streben sein muss, durch erzieherische Versuche und wirtschaftliche Massnahmen in dem Volke die Kraft nicht versiegen zu lassen, deren es bedarf, wenn der Ruf zur grossen Mobilmachung ertönt. Die Arbeitsversorgung in Form des von unseren Gesinnungsgenossen schon jetzt mit emsigem Bemühen betriebenen Arbeitsnachweises vermag