Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 183)
- Language
- German, English, Hebrew
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183 Gründen der körperlichen Regeneration, aus ethischen und politischen Rücksichten die Zuführung der Jugend zur Landwirtschaft gerne befördern würden, bei der derzeitigen Lage der Landwirtschaft ökonomische Bedenken entgegenstehen und wenn im Osten der Landerwerb für Juden zum Theile gesetzlich unmöglich, zum Theile durch den Hass der christlichen Umgebung gegen die den heimischen Boden in Besitz nehmenden „fremden" Juden ausserordentlich schwierig ist, so ermöglicht doch eine solche Ausbildung, wie z, B. in Ahlem, den Zöglingen, später in Nebenzweigen der Landwirtschaft, die gut rentieren, ohne grosse Landerwerbungen oder Betriebscapitalien zu erfordern, einen productiven und lohnenden Lebensberuf zu finden. Zur Vorbildung zum Handwerk haben wir im Westen auch Anstalten, die auf den oben genannten und geforderten Principien beruhen. Vorbildlich erscheinen die ecoles de travail im nahen Elsass, wo die Jungen früh aufgenommen werden, tagsüber bei Meistern in der Lehre sind und in ihren freien Stunden im gemeinschaftlichen Heime Unterricht in Elementar- und gewerblichen Fächern empfangen, besonders auch technisch und künstlerisch sich fortbilden können und dabei eine jüdisch-religiöse Erziehung erhalten. In bescheidenem Umfange lassen sich Anfänge zu solchen Institutionen in Form von Beaufsichtigung und Fortbildung gewerblicher Lehrlinge besonders auch in technischen Fächern von uns vielerorts unternehmen. Es kann keinem Zweifei begegnen, dass solche Lehrlingsheime bei entsprechender Leitung zu Pflanzstätten eines gesunden jüdischen Arbeitsgeistes und zu Vorschulen für ein kräftiges sociales Solidaritätsgefühl werden können. Es besteht keine Aussicht, durch derartige Einwirkung auf die Jugend dem Uebelstande des Riesen-Handwerkerproletariats im russischen Ansiedlungs-Rayon etc. abzuhelfen; aber wenn hier eine grössere Anzahl junger Leute in künstle isch vollendetere Gewerbe eingeführt werden, wenn die Tausende und Zehntausende von Schuhmachern und Schneidern durchbrochen werden durch andere Berufsarten, so wird das einen Fortschritt in ökonomischer Richtung wohl bedeuten. Was mit der rumänischen Jugend geschehen soll, wenn, riachdem ihnen eine Reihe von Berufen bereits abgeschnitten ist, auch die drohende Nationalisierung des Handwerkes zur Thatsache werden sollte, wer wüsste da noch Rath? Der Kleinhandel eignet sich in vielen Ländern aus schon erörterten und noch näher zu beleuchtenden Gründen nicht mehr für das heranwachsende Geschlecht. Aber aus allen Berichten von Ost und West können wir entnehmen, dass die Chancen für ein rechtschaffenes, ehrliches Fortkommen weitaus günstiger sind bei dem gut kaufmännisch Vorgebildeten, wie bei der nur aus ererbter Neigung und mit ererbter Fähigkeit handeltreibenden Jugend. Wir müssen diesen Umstand