Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 179 (sequence 179)
- Language
- German, English, Hebrew
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179 Juden aber ist das Eingreifen der Gesammtjudenheit nöthig und gerade stark genug. Die ökonomische Hebung muss für uns, die wir die Gesammtjudenheit vertreten, Selbstzweck sein. Aus dem Sumpfe einer wirtschaftlichen Decadenz gilt es eben Menschen, Juden, herauszuheben, damit sie bessere, freiere Menschen werden können. Und wenn der Zionismus wohl erkannt hat, dass dies für Millionen unserer Stammesbrüder nur geschehen kann, wenn sie auf eigenem Boden, auf dem Boden ihrer Väter, Freiheit, Heimat und die „grosse Arbeitsgelegenheit" erwartet, so muss er doch die Rettungsarbeit für die Bedrängten unseres Volkes beginnen, ehe sie in ihre Heimstätte gelangen und für die, welche nicht dahin gelangen können. (Lebhafter Beifall.) Wir haben ja dieses leidende Volk vorzubereiten für sein künftiges Geschick, für sein künftiges Land, so wie wir das Land für das Volk vorbereiten wollen. An die Belebung des jüdischen Volksbewusstseins. an die diplomatischen und finanziellen Anstrengungen zur Ereichung einer Heimstätte, an die technische und wissenschaftliche Erschliessung Palästinas reiht sich an als weiterer und gleichwertiger Act der Vorbereitung die körperliche, geistige und wirtschaftliche Hebung unseres Volkes. Hier auf wirtschaftlichem Gebiete gilt es Massen herauszuschaffen aus wirtschaftlicher Beschränktheit, Unselbständigkeit und Beschäftigungslosigkeit. Ein Volk, das innerhalb der Culturnationen seinen Platz ausfüllen will, kann nicht früh genug herausgezogen werden aus einem ökonomischen Tiefstande, der vielfach unter dem des Lumpenproletariats liegt, das ja die Socialdemokratie für ihren Classenkampf nicht gebrauchen kann. Wir kennen die latenten Kräfte, die in unserem lebenszähen, lebensfähigen und lebenswilligen Volke ruhen; beginnen wir die Hebung, deren sie harren, um für ein neues Culturcentrum nutzbar werden zu können. Den wirtschaftlich rückständigen Gliedern unseres Stammes selbst und uns allen muss das Bewusstsein erstarken, dass sie arbeiten wollen und können, auf dass unseren Hoffnungen der reale Untergrund nicht fehle. Aber weiter geben wrir, indem wir eine sociale Hilfe auf Gegenseitigkeit einleiten wollen an Stelle der alten Rachmones-Wohlthätigkeit, Gelegenheit, dass alle Tugenden und Eigenschaften, die bei der Erhaltung eines künftigen Gemeinwesens unerlässlich sind, vor- und eingeübt werden, Solidaritäts-, Verantwortungsgefühl, socialer Sinn und sociale Begabung. Durch die Einrichtung und Verwaltung von kleineren socialen Institutionen werden unsere Stammesbrüder dazu erzogen, grössere Organisationen zu leiten oder in denselben zu arbeiten. Wir steigern den Volkswillen und die 12*