Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 177 (sequence 177)
- Language
- German, English, Hebrew
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177 Ein Moment darf aber wohl hervorgehoben werden, weil es die Actualität unserer Frage scharf beleuchtet. Der jüdische Volkskörper erschien uns, je länger und mehr wir uns mit seinem Schicksale in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beschäftigten, nicht nur als eine nationale Einheit, sondern auch als eine einheitliche sociale Gemeinschaft. Vor der Bestrahlung durch die jüdische Geschichte verschmelzen der jüdische Hautefinancier des Westens, der »mit vier Rossen, Hornklang, kommt geschossen«, und der Schacherjude des Ostens, der »wandern muss, darben, frieren«, in eins. Jene haben's hoch getrieben, Du verschacherst alte Kleider, Aber alle seid Ihr leider Ein geknicktes Volk geblieben. Eine einheitliche Geschichte, nicht nur voll politischer Bedrückung, sondern auch voll beruflichem Zwang und Einschränkung, liefert uns den Schlüssel zu dem Verständnisse dieser beiden Gestalten und der ganzen ökonomischen Schichtung und Gruppierung der Juden von heute. Und wenn der optimistischen Seele eines westlichen Juden diese wirtschaftlichen Kräfte und Potenzen nicht mehr greifbar genug fortzuwirken scheinen, so sind sie leider in einer Art von lebendigem Museum in den Ghettos des Ostens anschaulich und beweiskräftig genug aufbewahrt. Die Continuität des ökonomischen Geschickes der Gesammtjudenheit wird gerade auch in der Gegenwart durch eine Erscheinung documentiert und muss dem Verstände der Verständigsten, wie dem einfältigsten Gemüthe klar werden: Die socialpolitischen Bestrebungen, von denen wir die Gegenwart erfüllt sehen und welche den Stolz der Culturnationen bilden, die socialreformatorischen Gesetze, Massnahmen und Einrichtungen sind in allen Ländern — mögen sie auf der Höhe der Gegenwartscultur stehen oder an zweiter Stelle rangieren in der Reihe der Culturstaaten — achtlos vorübergegangen an der jüdischen Bevölkerung, ja sie sind rücksichtslos über dieselbe hinweggeschritten. Gerade gegen jqne Berufe, welche den Juden von ihren Wirts Völkern aufgedrungen waren, richten sich die socialpolitischen Gesetze; man entzieht ganzen Berufskategorien einfach den Boden unter den Füssen, non arte, sed vi, können war sagen, mit der Gewalt, welche legislatorischen Acten oder vom Judenhasse erzeugten Genossenschaftsgründungen zukömmt und beiseite lassend die staatsmännische Kunst des allmählichen Ueberführens und Ausgleichens. W i r wollen sicherlich am wenigsten mit den Regierungen und Völkern rechten, wenn sie ihre Socialpolitik nach ihrem m