Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 176 (sequence 176)
- Language
- German, English, Hebrew
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176 Materie losgesteuert sind. Es ist auch richtig, dass sich heute noch manche unter uns der grossen Palästina-Sache zuliebe apathisch. oder abweisend verhalten gegenüber der zersplitternden Thätigkeit auf dem Gebiete socialer Opportunitäts-Reformen. Andere hinwiederum trennen ihr Interesse,und ihre Fürsorge für die letzteren von ihrem zionistischen Wollen und Thun ab und befriedigen ihr Bedürfnis, jetzt schon social zu arbeiten, zu ordnen und zu helfen, als Mitglieder anderer jüdischer Vereine und Organisationen. Demgegenüber ist festzustellen, dass sich schon vom ersten Congresse ab, leise zuerst und vereinzelt,immer vernehmlicher dann und eindringlicher Stimmen zugunsten einer wirtschaftlichen Gegenwartsaction bemerkbar gemacht haben. Die zionistische Literatur über diesen Gegenstand kann kaum mehr bemeistert werden. Neben theoretischen und principiellen Deductionen füllen die Mittheilungen von praktischen Versuchen und Einrichtungen die Spalten unserer Journale. Es ist ausserordentlich bezeichnend, dass, als unsere Gesinnungsgenossen, dem Rufe unseres Führers Herzl folgend, in die Gemeindewahlbewegung eintraten, sie ihren Wählern vor allem ein wirtschaftliches Programm präsentierten. Der IV. Congress konnte unter lebhaftem Interesse der Delegierten den Gegenstand auf die Tagesordnung setzen, ihm eine aufmerksame Behandlung zutheil werden lassen und die Wünsche auf diesem Gebiete formulieren. Seitdem haben unsere österreichischen Brüder auf ihrem Zionistentage in Olmütz, auf einem Congresse en miniature gleichsam, die Bestrebungen und Forderungen wirtschaftlicher Natur für die Juden des österreichischen Kaiserreiches klar und scharf präcisiert. So sind die Fragen der wirtschaftlichen Hebung, ohne künstliche Mache, durch eine natürliche Entwicklung zu einem organischen Bestandtheile unseres Arbeitsprogrammes geworden, und es liegt uns ob, den inneren Zusammenhang derselben mit der Idee, dem Wesen und den Zielen des Zionsmus zu prüfen und zu klären. Es wäre pedantisch, hier auf dieser Tribüne, wo der Standard of Hfe der Juden aller Länder wiederholt aufgenommen und verkündet wurde, die Frage, ob ein specifisch jüdisches wirtschaftliches Elend besteht, nur anzuschneiden. Auch über den Umfang dieses Elends Betrachtungen anzuheben oder Daten und Zahlen aufmarschieren zu lassen, ist heute für uns nicht mehr vonnöthen. Erlassen Sie mir auch, Ihnen all die schrecklichen Eindrücke wiederzugeben, welche mir aus der Beschäftigung mit der socialen Lage der Juden, der ich mich als Referent über die Frage der Hebung derselben hingeben musste, erwuchsen.