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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1901-01-01 · 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901 · p. Seite 165

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
Date
1901-01-01
Page
Seite 165 (sequence 165)
Language
German, English, Hebrew
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165 bereits die Statuten dieser nothwendigen und bedeutungsvollen Organisation vorliegen werden. (Beifall.) Das dritte Hauptgebiet unserer Kunst ist die jüdische Dichtung. Bevor ich von ihr zu sprechen beginne, gestatten Sie mir, etwas rein Persönliches zu sagen, das aber vielleicht doch allgemeineren, repräsentativen Charakter hat. Von all dem unbeschreiblichen Reiehthum, mit dem uns die moderne jüdische Wiedergeburtsbewegung überschüttet hat, hat mich nichts so stark, so zauberhaft bewegt, wie die Renaissance der jüdischen Dichtung. Nichts hat mir so überwältigend wie sie vor Augen geführt, dass ein neues Land, geboren worden ist, dass eine neue Kraft uns geschenkt worden ist und eine neue Stimme. — Zunächst ein kurzer Rückblick. Bis vor wenigen Jahren hatten wir drei Arten von Dichtung: erstens die Dichtung von westeuropäischen Juden, die in verschiedenen Sprachen schrieben, ohne sich irgend eines Zusammenhanges mit irgend einer bestehenden oder entstehenden jüdischen Cultur bewusst zu werden, ohne an irgend eine andere Zugehörigkeit zu denken als. an die zur Literatur des Volkes, in dessen Mitte sie lebten und dessen Sprache sie schrieben; zweitens die Dichtung der osteuropäischen, zumeist russischen Juden, die entweder Epigonen der Bibel oder Nachahmer Westeuropas waren; drittens das Volkslied. Das Volkslied war lange Zeit hindurch diejenige Form, in der sich die Psyche der Juden dichterisch am reinsten, am echtesten, am unmittelbarsten äusserte. Freilich: an Mannigfaltigkeit der Motive, an Reichthum der Stimmungen konnte sieh unser Lied nicht mit dem anderer Völker messen. Dichterischen Ueberfluss zu erzeugen, war das Golusleben nicht fähig. Aber in seiner schlichten, kargen Art ist unser Lied ein vollwertiges Zeugnis des Innenlebens einer grossen, gefangenen Nation. — Bis vor kurzem hatten wir keine brauchbare Sammlung von jüdischen Volksliedern. Erst in jüngster Zeit ist unter Leitung Ginzbergs im Verlage des „Wosehod" eine geradezu mustergiltige Sammlung erschienen, die sieh zwar nur auf die in Russland gesungenen Lieder im Volksidiom beschränkt, aber doch über tausend Stücke enthält und in culturhistorischer Beziehung wie in der des künstlerischen Geniessens ein überaus wertvolles Material bildet. Sie ist aus dem freiwilligen und freudigen Zusammenwirken von Interessenten hervorgegangen, und es ist hervorzuheben, dass ihre Mitarbeiter zum grösseren Theile Zionisten waren. Diese Sammlung ist erst ein Anfang — man wird zunächst in anderen Ländern, insbesondere in Galizien, Rumänien, der Türkei, ähnliche veranstalten und sodann

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