Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 162)
- Language
- German, English, Hebrew
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162 sehr Jude wie Israels, ■ aber er fühlt doch die tiefen alten Quellen seines Wesens, wenn ihm auch der königliehe Stolz fehlt, mit dem sich Jozef Israels zu seinem Volke bekennt. Und das Jüdische bricht, ihm selbst imbewusst, immer wieder in seinen Bildern hervor. In der Art, wie er die weite, versehwimmende Landschaft sieht, ebensowohl, wie in der Art, in der er eine ganze Gegend in einzelnen schlichten Gegenständen verkörpert und um den Menschenleib stille Schatten häuft, ist ein heimlich jüdischer Zug. Bewusst jüdisch aber wird er, wo er sich aus dem Buche unseres Volkes die Stoffe holt. Da nimmt ihn die ewige Macht gefangen. Ganz im Gegensatze zu Liebermann steht Lesser TTry. (Lebhafter Beifall.) Das Grösste an ihm ist sein übermenschliches Wollen. Ein glühendes, stürmisches Wollen, in dem die Sehnsucht nach der Schrankenlosigkeit lebt, ein Wollen, das alle Bande sprengt und das Unsagbare zu sagen versucht. Das ungeheure. Leiden des Stammes bricbt sieh in ihm gewaltsam freie Balm, nicht in Klagen, sondern in Anklagen, nicht in Fragen, sondern in wildem Angriffe. In seinen grossen Bildern bäumt sich immer wieder eine lebendige Kraft gegen dumpfe Schieksalsmäehte auf und verlangt nach Erlösung. Er hat für unser Schicksal monumentale Symbole gefunden. Er hat in seinem „Jerusalem" in einer kleinen Gruppe von wandernden Juden, die auf einer Bank am Meeresstrande rastend lagern, das ganze jüdische Volk gemalt, und in diesem schmerzvollen Abend, da Himmel und Meer einander in Sehnsucht entgegenbeben, die ganze Geschichte des Volkes. Er hat in seinem „Jeremias" den Propheten gegeben, dem die Geschichte seines Stammes auf die Schultern gelegt wurde und der unter der Last einer Ewigkeit niedersinkt. In Lesser Ury ist ein Mysterium zur Revolution geworden. Der bewussteste unter unseren Künstlern ist wohl einer der jüngeren, Ephraim Mose Lilie n. (Lebhafter Beifall, der sieh zu einer herzlich spontanen Ovation für den anwesenden Künstler steigert.) Er ist tief in das Wunder unseres Volkes eingedrungen, hat Sinn und Wert unserer alten Motive erkannt und sich zu eigen gemacht. Er hat die Sache des Zionismus an sich selbst erlebt, hat sie ganz in sich aufgenommen. Gerade dass er der jungen Generation angehört, macht ihn so sehr zu einem von den unseren. Und doch erwarte ich von ihm noch viel mehr, als er bisher gegeben hat. Er hat herrliche Blätter gezeichnet, ' Er verfügt über eine reiche reife Technik. Dennoch ist seine Kunst noch mehr Verheissung als Erfüllung, wie das Streben