Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 159)
- Language
- German, English, Hebrew
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159 Entwicklung eintraten, sich zunächst hauptsächlich in der Musik hethätigt und viele bedeutende Componisten hervorgebracht haben. Das Singen des Volkes verdichtete sich gleichsam in einzelnen Persönlichkeiten. Und es ist wieder eigentümlich, zu beobachten, wie die Compo nisten immer wieder, bewusst oder unbewusst, auf jüdische Motive, auf Accorde und Melodien ihres Volkes zurückgreifen, wie olfenbar in ihnen der Instinct lebt, dass hier die Wurzeln ihrer Kraft sind und «lass sie .nur so zu eigenem Glänze wachsen können, wenn sie dieses Geschenk der Väter pflegen und entwickeln. Was wir nach dem Gesagten für eine jüdische Musik thim können, ist eine Sammlung des vorhandenen Materials. Hierbei kommen neben den hebräischen und den sogenannten syriseh-palästinensehen Gesängen vor allem die Volkslieder im jüdischen Volksidiom in Frage. Bisher existieren nur wenige Auf Zeichnungen. Immerhin ist vor etwa zwei Jahren eine kleine, von Warschawski herausgegebene Sammlung erschienen, die trotz einiger Fehler viel wertvolles Material enthält. Es finden sich darin manche prachtvolle volksthümliehe Motive, die auf eine chorale und orchestrale Verwendung warten, wie sie bei einzelnen bereits mit Glück versucht worden ist. Für jüdische Componisten eröffnet sich in solchen Sammlungen ein reicher Schatz Ton einfachen Melodien, die modern verwertet werden können. Nur müsste bei späteren Sammlungen der volksthümliehe Charakter rein erhalten bleiben. Dies ist jedenfalls von dem in Aussicht stehenden musikalischen Theile jener überaus bedeutsamen Sammlung von Volksliedern zu erwarten, deren Texttheil im Verlage des „Woschod" erschienen ist und über die ich noch ausführlicher sprechen werde. Es geht aus dem Gesagten hervor, dass wir einen wahren Aufschwung der jüdischen Musik, vornehmlich der lyrischen, erhoffen dürfen. Die bildende Kunst hat sich bis in unsere Zeit im jüdischen Volke nur keimartig, sozusagen andeutungsweise, entwickelt. Hauptsächlich war es der Schmuck ritueller Gegenstünde, an dem sie sieh bethätigte, und viele alte Synagogen sind eine wunderschöne Stätte solcher Kunsterzeugnisse. Bis in die jüngste Zeit waren alle diese Werke verstreut, bis man vor einigen Jahren an ein systematischem Sammeln gieng. Es ist das Verdienst der Gesellschaft zur Erforschung und Conservierung von historischen und Kunstdenkmälern des Judenthums zu Wien, der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler zu Frankfurt und der Gesellschaft für jüdische Volkskunde zu.