Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 156)
- Language
- German, English, Hebrew
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156 Zunächst diejenigen nicht, welche die Internationalität der Kunst betonen. In sehr feiner. Weise hat diesen vor kurzem der schwedische Maler Eichard Bergh in einem Briefe an die grosse Schriftstellerin Ellen Key geantwortet. Er gab zu, dass man im ästhetischen Gemessen nicht nach der Nationalität frage. „Aber", setzte er fort, „das Glück des Momentes ist nicht das Wichtigste für den Menschen, sondern seine Lust zu schaffen, seine Sehnsucht. In einem vollendeten. Garten will man am liebsten gemessen und ruhen, aber wenn man unbebaute Erde sieht, will man schaffen — Gärten, neue, eigentümliche, nie zuvor gesehene, sie mögen nun gross oder klein werden. „Ubi bene, ibi patria" ist eine alte Lüge. Nicht das Land ist das beste, in dem man am meisten geniesst, sondern das, wo man am besten schafft." Solch ein neuer, eigentümlicher, nie zuvor gesehener Garten soll die jüdische Kunst sein. (Lebhafter Beifall.) Denn in dem künstlerischen Schaffen sprechen sieh die speeifischen Eigenschaften der Nation am reinsten aus; alles, was diesem Volke, und nur ihm, eigen ist, das Einzigartige und Unvergleichbare seiner Individualität, findet greifbare lebendige Gestalt in seiner Kunst. So ist unsere Kunst der schönste Weg unseres Volkes zu sich selbst. Die Wiedergeburt des jüdischen Volkes ist, wie ich bereits angedeutet habe, zugleich die Form, in der dieses Volk an einer grossen Culturbewegung der heutigen Menschheit theilnimmt. Zionismus und jüdische Kunst sind zwei Kinder dieser unserer Wiedergeburt: Was* bedeutet nun die jüdische Kunst für ihren älteren Bruder? Was bedeutet sie für uns als Zionisten? Sie bedeutet uns zunächst einen grossen Erzieher. Einen Erzieher zu lebendigem Anschauen der Natur und der Menschen, zu lebendigem Empfinden alles Starken und Schönen zu diesem Anschauen und Empfinden, das uns so lange gefehlt hat und uns nun durch die Bilder und Dichtungen unserer Künstler wiedergegeben werden soll. Und es ist sehr wesentlich für -uns als Zionisten, dass dieses lebendige Anschauen und Empfinden unserem Volke wiedergewonnen werde. Denn nur voll entwickelte, nur ganze Menschen können ganze Juden sein — die fähig und würdig sind, eine eigene Heimat sich zu erschaffen. (Lebhafter Beifall.) Aber unsere Kunst bedeutet noch in viel directerer Weise einen Erzieher zum wahren Judenthum, Keine Sprache ist so eindringlich, so suggestiv wie die Sprache der Kunst; keine kann so wie sie offenbaren, was das Leben und was die Wahrheit ist. Und unsere Kunst wird eine starke Künderin des auf-