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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1901-01-01 · 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901 · p. Seite 153

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
Date
1901-01-01
Page
Seite 153 (sequence 153)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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bare Menschenleib. Alle Dinge, über deren Zauber die Dichtung ihre goldenen Schleier spinnt, alle Dinge, deren Formen die Bildkunst mit seligen Händen bannt, waren etwas Fremdartiges, dem man mit einem unausrottbaren Misstrauen gegenüberstand. Manchmal nur stahl sich der halb verlorene Klang eines Liedchens über die düstere Gasse, huschte dahin, um in dem dicken Dunkel zu sterben. Das, worin sich eigentlich das Wesen einer Nation am vollsten und am reinsten ausspricht, das heilige Wort der Volksseele, das künstlerische Schaffen, war uns beinahe völlig verwehrt. Wo die Sehnsucht nach Schönheit sich mit zarten schüchternen Gliedern erhob, da mir de sie niedergedrückt von einer unsichtbaren erbarmungslosen Hand. Wo ein junger Trieb sich bang, in Angst und Erwartung der Sonne entgegenregte, da wurde er erstickt von dem Walten des furchtbarsten Schicksals. Der Eintritt der Juden in die abendländische Civilisation war es, der den grossen Umschwung ermöglichte, dessen erste Früchte wir in unseren Tagen sehen. Ich möchte dies deshalb betonen, weil in den jüngsten Zeiten in manchen zionistischen Kreisen eine eigentümliche Ghetto-Sentimentalität zu herrschen begonnen hat. Man hat über der zarten seltsamen Schönheit des geschlossenen Volkslebens, das wir in Europa bis ins 18. Jahrhundert hinein führten, die bedeutsame Thatsaehe vergessen, dass die moderne national]üdisehe Bewegung, dass der Zionismus nicht hätte entstehen können ohne jenes merkwürdige Stadium in der Entwicklung unseres Volkes, das fälschlich mit dein Worte „Bmancipation" bezeichnet wird. Unter Emancipation stellt man sich gewöhnlich das mehr oder minder willkürliche Handeln von Einzelnen und Volksvertretern vor. Dieses aber war nur der Ausdruck einer grossen historischen Umwandlung, die bei den Völkern zum Kampfe für die Menschenrechte, bei uns zur inneren Annäherung an die neuzeitliche Civilisation führte. Freilich nahm diese Annäherung, dem Charakter unseres Golus entsprechend, eine anormale, sprunghafte Form an. Freilich erzeugte sie jene blinde Anpassung nicht an die neuzeitliche Civilisation, sondern an die Eigenart der einzelnen Völkerschaften, die wir unter dem Namen Assimilation kennen: eine traurige Episode unserer Geschichte, in der sich die ganze Schwere unserer Entartung kundgab. Aber als im Leben Europas an die Stelle eines blutlosen Menschheitsideals die gesunde nationale Selbstbesinnung getreten war, als die Anschauung durchgedrungen war7 dass, wie jeder Mensch, so auch jedes Volk am besten der Allgemeinheit dient, wenn es seine eigenen Gaben in fruchtbarem

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