Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 152 (sequence 152)
- Language
- German, English, Hebrew
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152 steigere, dass diese Frageneinen eminenten Punkt unserer Tagesordnung bilden. Nehmen wir die jüdische Kunst, die ich hier zu besprechen habe, als Beispiel. Ich erinnere daran, dass Dr. Nordau selbst in einem Artikel „Der Zionismus der westlichen Juden" nachgewiesen hat, dassdie jüdische Kunst ein Propagandamittel grössten Stiles ist, geeignet, sowohl die Schaffenden a]s auch die grossen Kreise der Intelligenz für unsere Sache zu gewinnen. Ich lasse mich sonst nicht von den Erfordernissen der Propaganda bestimmen. Aber wenn Dr. Nordau hier erklärt: „Wir brauchen zuerst Geld", so antworte ich: Unsere Kunst wird uns auch Geld verschaffen. (Beifall.) Und endlich frage ich Herrn Dr. Nordau, ob er denn glaubt, dass der Zionismus nur mit unserem besitzlosen Proletariat« zu rechnen hat. Der Zionismus hat mit dem ganzen Volke zu rechnen. Und wahrlich, wir brauchen gerade für unsere nicht völlig besitzlosen Classen geistige Hebung. Gerade die besitzenden Classen müssen wir von Grund aus geistig und sittlich erziehen, bevor sie ein fähiges und würdiges Menschenmaterial für unser Palästina abgeben. (Beifall.) Und Mittel dieser Erziehung wollen wir Ihnen hier vorschlagen, Mittel der Erziehung, die grosse Schichten unseres Volkes entwickeln, unsere Bewegung stärken, der nationalen Sache neue und wertvolle Kräfte zuführen werden. Ein solches Mittel ist die jüdische Kunst. Verehrte Anwesende! Wir leiden an der Theorie. Ich möchte mich heute, da ich zu Ihnen von jüdischer Kunst sprechen will, von der abstracten schematischen Theorie fernhalten und meinen Mund fler Macht der lebendigen Thatsaehen leihen, die gross und überwältigend sind. Die jüdische Kunst ist eine Eeihe von Thatsaehen. Tausende und Tausende von Jahren waren wir ein unfruchtbares Volk. Wir theilten das Schicksal unseres Landes. Ein feiner grausamer Wüstensand wehte fort und fort über uns .hin, bis unsere Quellen verschüttet und unser Ackerboden mit einer schweren, alle jungen Keime tödtenden Schichte bedeckt war. Der Ueberschuss an Seelenkraft, den wir zu allen Zeiten hatten, drückte sich im Exil nur noch in einer unbeschreiblich einseitigen geistigen Thätigkeit aus, welche die Augen blind machte für alle Schönheit der Natur und des Lebens. Das, woraus jedes Volk immer wieder die frohsinnige, frische Energie schöpft, das Anschauen einer schönen Landschaft und schöner Menschen, war uns geraubt. Das Blühen und Wachsen jenseits des Ghettos war unseren Ahnen unbekannt und verhasst wie der wunder-