Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 143)
- Language
- German, English, Hebrew
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ihrem Wege zur völligen Sicherung ihrer physischen und geistigen Existenz angelangt ist. Ein Judenthum und eine Wissenschaft des Judenthums haben ihren Sinn und ihre Daseinsberechtigung nur, so lange sie in einem Volksthum wurzeln. Darum handelt siclrs wirklich, und aller rethorische Firlefanz, alle polemischen Fechterkunststüeke können darüber nicht täuschen. Eben weil es nur allzu wahr ist, was die älteren Vertreter der Wissenschaft des Judenthums ganz gegen ihr damaliges Programm bekannten, dass das Judenthum der lebendige Gegenstand dieser Wissenschaft sei, eben darum muss diese Wissenschaft mit dem jüdischen Leben sich verschmelzen. Handelte es sieh wirklich, wie manche eine Zeitlang zu sagen pflegten, um das Forschen, Erwägen und Sichten von alten Principien, dann müsste dies zu einer trockenen und langweiligen Archäologie herabsinken. Aber was die Alten Judenthum nannten, ist in Wahrheit jüdisches Volk. Urnen zu gefallen hat das jüdische Volk nicht aufgehört zu existieren. Denn das Judenthum lebt nicht und kann nicht leben ohne ein jüdisches Volk. Deshalb haben die ersten Begründer der Wissenschaft des Judenthums, die vom Beth-ha midrasch noch nicht weit her waren, die vom Volke sich noch nicht entfernt hatten, Tüchtiges geleistet; deshalb wurzelte die erste Belletristik in diesem Ideen- und Lebenskreise. Unbewusst lag in der Pflege der Wissenschaft des Judenthums ein selbsterhaltender, nationaler Gedanke. Wie die Emancipation eine Vorfrucht der nationalen Befreiung, so war das Schwärmen für das Judenthum eine Vorbereitungsstufe zu nationaler Einheit. Auch, uns handelt es sich nicht um eine parteimässige Wissenschaft, zionistisch oder assimilatorisch, aber eine Wissenschaft des Judenthums soll ja nicht das Judenthum als Montrosität auf der Klinik demonstrieren, sondern das jüdische Volk in seiner Gesammtheit, in allem, was es geschaffen und was es jetzt schafft, umfassen. Die zahllosen Katechismen und hebräischen Fibeln sind zweck- und nutzlos. H e b r ä i s e Ii muss aus hebräisch e n B ü c h e r n g e 1 o r n t w e r d e n , sonst erlernt man eben nichts. Audi jüdische Geschichte muss vor allem aus den hebräischen Urkunden, in ihrer Xacürlichkeit gelernt werden. Kur der nationale Gedanke gibt den historischen Wachsfiguren lebendigen Athem. Die Grundstimmung lässt sich nicht übertragen. Und wenn man übersetzt, so übersetze man wortgetreu! Es wird jetzt viel übersetzt: die Bibel ist neulich in einer guten deutschen Uebersetzung Dr. Bernfelds, bedeutende Theile in einer trefflichen polnischen Uebersetzung Dr. Cylkows erschienen, Misznajoth, auch der Talmud wird jetzt ins Deutsche und ins Russische übertragen. Kützlich sind die Uebersetzungen, wenn sie zum Studium des Originals anregen. Hebräisch-jüdische Volkskunde, nicht nur Vergaugenheitsforschung, sondern auch Gegenwartsstudien. Xaeh dieserEiehtung, diesem Mittelpunkte zustrebend scheint mir die neugeborene „Jewish Encyelopedy", deren erster Band bereits erschienen ist. Ich denke, dieser verschiedenen Gegenwartsangelegenheiten der Juden hat sich die jüdische Wissenschaft nicht zu schämen. Gut — der Gegenwart nicht,