Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 141)
- Language
- German, English, Hebrew
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141 besondere Lesebücher nothwendig, da die letzteren für die allgemeine Schule sehr confesionell christlich gefärbt sind und man hinwiederum Lesestoffe aus der jüdischen Sphäre bedurfte. Auch hierfür sind viele Schriften erschienen, die mehr oder weniger dem Zwecke entsprachen. Was immer noch in diesem Bereiche fehlt, ist eine die Jugend ansprechende, in gehörigem Masse ausführliche Beschreibung Palästinas, für welche ein dürrer Abriss, wie er bereits mehrfach vorhanden, umso weniger genügt, als die Lehrer selbst in der Regel wenig hiervon wissen. Nachdem das geschichtliche Bewusstsein wieder geweckt, die jüdische Literatur zu neuen Ansichten wieder gebracht worden, stellte sich auch eine grosse Regsamkeit für den Wiederdruck selten gewordener hebräischer Werke, sowie für den Druck bis jetzt unedierter Manuscripte ein. Neue Editionen fast aller bedeutenden Werke früherer Zeit kamen ans Licht, und viele Handschriften wurden aus dem Staube der Bibliotheken oder des Privatbesitzes hervorgeholt. Hieran reihten sich die TJeberSetzungen. Nachdem die jüdische Religionsphilosophie wieder geweckt, ja. einzelne Zweige derselben, namentlich die Kabbala durch die Arbeiten Frankels, Jellineks und Joels aus ihrem Dunkel gebracht worden, knüpften sich hieran die Lebersetzungen der religionsphilosophischen Werke Saadias (1845), des More von Maimonides (Scheyer, .Fürstenthal, Münk), des Albo (Schlesinger, 1848), des Cusari. Ebenso wurde die Mischnah und einzelne Tractate des Talmud übersetzt (Jost, Pinner, Sammter, Rabinowitsch, Schwab). Es blieben auch IJebersetzungen der hebräischen Dichter der spanischen Periode nicht aus, worin sich besonders Kämpf, Sachs, Dukes, Geiger, Steinschneider, Heller, Löwenstein .u. a. auszeichneten. Auch die Piutim wurden übersetzt, und der L^ebertragungen des Gebetbuches der verschiedenen Riten in viele Sprachen ist eine ganze Flut vorhanden. Hier ist denn auch die Stelle, eines anderen Literaturzweiges zu erinnern, der für die Aigemeinheit von Bedeutung ist, nämlich des belletristischen. Die Entstehung einer dichterischen Behandlung der jüdischen. Stoffe entsprang ganz eigenartigen Motiven. Man sagte sich: Wenn die Poesie überhaupt die dem Menschen unentbehrliche Verklärung dessen, was ihm lieb und theuer ist, schafft, wenn sie der Religion darum sehr nahe steht und der Geschichte ihre Schroffheit und Schärfe nimmt,- so ist sie gerade darum dem Judenthum umso nothwendiger, als dieses in Yergangenheit und Gegenwart so vieles bietet, was dem gebildeten Sinn und Herzen wehe thut oder sie abstösst. In der Dürre der vergangenen Zeiten hatte das Judenthum dem Anscheine nach allen poetischen Glanz, hatten die Juden, niedergebeugt unter den Lasten des Lebens, allen poetischen Sinn verloren. Es war und ist daher von grosser Wichtigkeit, dass die Dichtung auch an Judenthum und Juden wieder herantrete und ihren Lichtglanz über dieselben verbreite. Was in ausserjüdischen Kreisen hierfür geschah, war zweideutiger Art, denn entweder gieng man von edlen, begünstigenden Motiven oder von feindlichen, missgünstigen aus. Im ersteren