Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 140)
- Language
- German, English, Hebrew
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140 den gelockert; die „Theologen" haben den Eapport mit dem Volke verloren. Jede hervorstechende Eigenart wurde mühsam nivelliert — im Gegensatz zu der Methode, nach der sich alle anderen Nationen richten. Jedoch unbewusst arbeitete der Yolksgedanke und wuchs über diesen künstlichen Rahmen hinaus. Auf einem grossen Umwege kehrte die Erkenntnis zurück, dass das nationale Gefühl mit Unrecht so lange missachtet wurde und dass gerade wir Juden dieses Gefühls am wenigsten entrathen können. Einen starken Griff in die jüdische Volkssache kennzeichneten die Proteste Zunz", Frankels und Grätz", die sowohl gegen die Eeform als gegen die Xeo-Orthodoxie das historische Prineip kraftvoll betonten. An den Abhängen und zu den Füssen jener Höhenzüge der Wissenschaft breitete die Literatur sich in breiten Fluren aus. Diese Fluren der jüdischen Literatur lagen vor der Hälfte des 19. Jahrhunderts fast ganz brach. Nehmen wir die paar Schulbücher von Moses Philippsohn, Peter Beer und Joelsohn aus, sowie eine Anzahl Predigten von Wolf, Salonion, Kley, erinnern wir an die in zwanglosen Heften erscheinenden Zeitschriften „Srilamith" und „Jedidjah" und an einige Streitschriften, so haben wir ziemlich alles, was aus den ersten drei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts aufzuführen wäre. Mit dem neu erwachten Leben in den Dreissiger jähren nahm auch die jüdische Literatur einen neuen Aufschwung. Zuerst trat die politische Polemik energisch auf. Börnes „Waage" und Riessers „Jude" leiteten eine lange Reihe von Emancipationsschriften ein, welche gegen die immer aufgefrischten Einwände ankämpften, bis sie mit 1848 momentan gegenstandslos wurden, und von da ab nur, wie es von Zeit zu Zeit nöthig ward, noch einmal auf dem Kampfplatze zu erscheinen pflegten. Dann kam die Reaction. Das jüdische Volk wurde enttäuscht und der grossen Worte überdrüssig. Goldene Berge sind ihm versprochen, hohe Ziele gezeigt worden, doch die erhoffte Herrlichkeit wurde immer dichter von Xebcl umhüllt. Keiner Verheissung ist die Erfüllung, keiner tönenden Rede die Schöpferthat gefolgt. Immer wieder dieselben Conflicte, dasselbe Schwanken zwischen Gleichberechtigung und Rechtlosigkeit. Hieran lehnte sich zunächst die erste regelmässig erscheinende jüdische Zeitschrift, die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" (1837), welche sowohl die äusseren als die inneren Verhältnisse der Juden aller Länder in ihr Bereich zog, und eine Menge von Nachfolgerinnen („Jew.Chron.",„Arch.Isr.") bald längerer,bald kürzererDauerhaftigkeit' und in den verschiedensten Sprachen erhielt. Es war hiermit eine jüdische Journalistik geschaffen, die seitdem unentbehrlich geworden. Auch die Homiletik gewann eine tüchtige Spannkraft. Ein anderer grosser Zweig ist die Schulliteratur. Für den Religionsunterricht in allen Stufen erschienen zahlreiche Lehrbücher und Katechismen, für die biblische Geschichte eine überaus grosse Menge. Viele brauchbare Lehrbücher der hebräischen Sprache sind ans Lieht getreten, zahllos sind die hebräischen Lesefibeln, Wörterbücher zum Pentateuch und zum Gebetbuch existieren mehrere. Eür die jüdische Elementarschule waren