Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 139)
- Language
- German, English, Hebrew
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139 fassender Commentar von Philippsolm geliefert. Ausesrdem haben auch einzelne Bücher eine besondere Bearbeitimg erfahren. Was endlich die biblische Kritik betrifft, so ist sie von Geiger (Urschrift) in einer scharfsinnigen, aber hypothesenreichen Weise geübt, deren Besnltate über das jüdische Bewnsstsein hinansgiengen. Grossartiges leistete Luzzatto, der in seinen hebräisch geschriebenen Arbeiten unvergleichliche grammatikalische, lexikographische und exegetische Erfolge aufzuweisen hat. Auch der Talmud fand umfassende Bearbeitungen. Für die Geschichte ist er vielfach benützt, die Kritik an seinen historischen Notizen geübt, das Wesen der Halacha zum Theil beleuchtet und über mancherlei specielle Gegenstände mit mehr oder weniger Gründlichkeit gehandelt worden. Verdienstvoll waren die Forschungen Chajes', die Einleitung in die Mischna von Frankl und die halachische Exegese von Hirschfeld. Bedeutendes hat Salonion Lob Eappaport in dieser Beziehung geleistet. Er hat eine Literatur erschlossen, von der bis dahin ihre Angehörigen kaum eine Ahnung hatten, er hat die jüdischen Gelehrten gelehrt, bei ihren Studien sich nicht bloss mit Kenntnisnahme der nackten Thatsachen zu begnügen, sondern auch Ort und Zeit in das Bereich der Forschung zu ziehen, wodurch die betreffenden Thatsachen erst in das gehörige Licht gerückt werden. Für die hebräische und chaldäische Grammatik leistete Fürst Bedeutendes, über viele Spezialitäten Geiger, über einzelne Zachs u. a. Dann begann die Reform-Literatur und die Polemik, sich zu entwickeln. Nachdem man das uralte, aber nicht alternde Judenvolk par force zu einer Confession herabdrücken wollte, kam von selbst der 'Wille, eine frisch gefirnisste Confession zu haben. Wie es sich ehristelt, so jüdelt es sich. Man lebte in einem protestantischen Lande, man bedurfte also einer Reform. Man hat ein der jüdischen Seele, dem jüdischen Geiste, der ganzen Erscheinung des Juden fremdes Kleid angelegt. Man wollte mit Gewalt nachahmen und hatte doch kein Verständnis für den inneren Sinn des Nachzuahmenden. Die ersten hatten zuweilen noch etwas Ideelles, dann kam eine Verfettung durch die Oomnierzienräthe- Vorstände und durch Nacliahmungsprediger ohne schöpferische Intelligenz und ohne gestaltende Kraft. Andererseits entwickelte eine sui generis Orthodoxie, ebenfalls von der Nationalität entwurzelt, nur dogmatisch strammer, eine grosse Widerstandskraft. Eine Fülle bedeutender Männer drängt sich uns in den Gesichtskreis, eine Fülle von Gedanken, die schliesslich eine Zerklüftung, Lähmung und Zersetzung des Judenvolkes in confessionelle Schattierungen herbeigeführt hat. Alles war da — nur die Hauptsache fehlte: die Pflege der Stammesart, ein leuchtender, activer Zukunftsgedanke, die Sorge um die Fortdauer, die Permanenz, die Einheit der Nation, um des eigenen Wesens Kern individuell gedeihen zu lassen. In einer verblüffend dilettantenhaften Weise wollte man sich über das Nationale hinwegsetzen, und indem man das Judenthum verhimmelte, hat man es zu einem irdischen Siecht hu tu verurtheilt. Das Neuhebräische wurde stolz missachtet, man dachte sich unendlich darüber erhaben; die Fundamente jüdischer Solidarität wur-