Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 138)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3476254-3476264--1512-3477649- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
138 rang, ohne Verständnis, dass man eben durch Absonderung zur Gemeinschaft gelangen kann und dass man bezüglich der sehr fernen Ideale das Goethe'sehe Wort im Gedächtnis behalten muss, man solle das Helfen einer Frucht nicht dadurch zu beschleunigen versucnen, dass man eine Lampe darimterhält. Den Weg zu unseren alten Literaturdenkmälern bahnt nur das Hebräische. Einleuchtend ist es^dass einen wesentlichen Theil der Wissenschaft des Judenthums die Exegese der Bibel und des Talmud, sowie die Philologie dieser beiden ausmachen. Es ist aber zugleich klar, dass in diesen beiden Zweigen die grossen Resultate der allgemeinen "wissenschaftlichen Arbeiten dem Judenthum unmittelbar zugute kommen. Es lag hier ob, die in der nie!ltjüdischen Literatur gewonnenen Erfolge in der rechten Weise in das Judenthum hinüberzuleiten und sie unsererseits fortführen und erweitern zu helfen. Es war dieses der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vorbehalten, umsomehr, als die Dürre, welche die Periode von Mendelssohn bis zu den Zwanziger] ahren im Judenthum charakterisiert, sich namentlich auch in der biblischen Exegese zeigte, die das Werk Mendelssohns, eine deutsche Bibelübersetzung, mit Ausnahme der zwölf kleinen Propheten, des Buches Daniel und der Sprüche Salomonis nicht einmal fortzusetzen vermochte. Es war somit die Aufgabe gestellt, die wissenschaftliche Exegese in das jüdische Leben einzuführen und dafür jener aus der grossen Fundgrube der älteren jüdischen Exegese wertvolle Sehätze zuzuführen. Es war dies ein Werk der Sichtung und der Vermittelung zugleich, der Sichtung, indem selbstverständlich der christlichen Exegese bei aller Objectivität einzelner Forscher doch immer die christliche Anschauung, und Tendenz innewohnte oder bei negativer Eichtung sie allzu antipositiv sieh gestaltete. Umsomehr war das nächste Bedürfnis, eine neue, vollständige Bibelübersetzung vom jüdischen Standpunkte aus mit gleicher Berücksichtigung der christliehen und der jüdischen bisherigen Forschung zustande zu bringen, also im freien, wissenschaftlichen Geiste, wozu das Judenthum umsomehr Gelegenheit bot, als es keine kirchlich autorisierte Uebersetzung kennt, wie die katholische Kirche in der Vulgata, die protestantische in der lutherischen Uebersetzung besitzt, und schon der Talmud die Exegese als freiwaltende Interpretation anerkennt. Zu gleicher Zeit traten vier neue, vollständige Bibelübersetzungen ans Licht: die von Gotthold Salomon, die unter Eedaction von Zunz von mehreren Gelehrten, die von Herxheimer und die von Philippsohn, an welche letztere sich später eine revidierte der israelitischen Bibelanstalt schloss. Diesen zur Seite vollendete auch S. Gaben eine vollständige französische Bibelübersetzung, gab Leeser in Philadelphia eine englische, begann S. D. Luzzatto eine italienische, und zeigten sich auch Versuche zu einer russischen (Lew Mandelslamm) und einer, polnischen (ISTeufeld). Herxheimer gab einen grösseren, mit eigenen Forschungen bereicherten Commentar. Eine freiere Uebersetzung mit populärem Commentar wurde von Fürst, ein um-