Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 137)
- Language
- German, English, Hebrew
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137 gemeinen PrincijDien heranszuziehen und nachzuweisen, dass diese gerade diejenigen sind, nach weichen die Entwicklung des Menschengeschlechtes hinstrebt, und nach deren Verwirklichung es ringt, ein Streben und Eingen, das zu jener Zeit mit nachhaltiger Kraft hervortrat. Diese Principien als Consequenzen der Lehre von der Einheit Gottes, von der Einheit der Welt und der Einheit des Menschengeschlechtes, in der Vereinigung aller Mensehenvölker zu einer mensehheitlichen Familie, in der Gleichberechtigung und persönlichen Freiheit aller Individuen, in einer gewissen Ausgleichung der Besitzverhältnisse innerhalb der Freiheit des persönlichen Eigenthums und in der Harmonie dieser Rechte des Individuums mit dem-Aufgehen der letzteren in die gesellschaftliche Gesammfheit des Staates bestehend, sollten als die Principien des Mosaismus, wie dieser sie theils objeetiv proclamiert, theils subjectiv in seinen Institutionen verkörpert hat, und wie sie zuletzt im allgemeinen Frieden, in allgemeiner Herrschaft der Liebe und des Rechts sich realisieren sollen, nachgewiesen werden. Es ist einleuchtend, class diese grosse Prineipienfrage wieder nur ein Theil der ersteren Frage nach dem historischen Berufe des Judenthums sein niusste. Für beide Momente waren Philippsohns Vorlesungen über die Entwicklung der religiösen Ideen im judenthiim, Ohristenthum und Islam (184?) und „über die Religion der Gesellschaft" (1848) bahnbrechend. Leider gieng diese Principienrciterei zu weit. Man mühte sich, einen Gegensatz zu constrLiieren zwischen einem particularistischen Nation aljudenthum und der Menschen verbrüdern ngsidee. Ein solcher Gegensatz existiert aber nicht, denn die Basis ei fies gesunden und vernünftigen Völkerfriedens ist eben eine kräftige nationale Cultur. Das eine schliesst das andere nicht aus, das eine ist die Voraussetzung des anderen. Eine Principieuvertrctimg, welche ihr Volksthum ohne Schutz lassen würde, die sich insbesondere nicht kümmern würde um die Erhaltung ihrer Eigenart, das wäre eine phantastische, unmögliche, chimärische Mission — in zeitloser Ewigkeit, in raumlos freier Allgegenwart. Es war ein Modedogma jener Zeit. Guter Wille, aber dabei Mangel an Selbstbewusstsein und stolzer Kraft trieb leider die Männer jener Zeit in ein. Xebelland und zwang sie, in eine höhere Luftschichte hinaufzusteigen. Anstatt besonnen und stark, ernst und würdevoll die Ivleinmuth zu verscheuchen und das Volksgefühl zu stärken, anstatt Persönlichkeit und freie Eigenart, unbedingte nationale Ootrenherzigkeit und Volksnaivetät, bewahrten sie das Xationalgefühi scheu in des Busens Tiefe und entwickelten eine Phraseologie, die schon damals leicht zu durchlöchern war. Es gebrach ihnen nicht an Talent, auch nicht an gutem Willen, sondern an Muth. Immer verfiel mau ins Predigen, immer zeigte man die abgenütze Geste des Sichverleugneus. Kläglich kleine Eiplomatenkünste, die Gunst der „Völker" zu erkaufen; eine Höhen Sehnsucht zu einer apostolischen Weltmi^sion, die mit rührender Xaivetät in Bälde erwartet wurde: ein langweiliges, theils auch albernes Widerstreben der Gemeinplätze über Menschenverbrüde-