Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 130)
- Language
- German, English, Hebrew
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130 hygieniker träumen lassen — und doch! warum könnte nicht schon morgen jede „GhewraKadischa" solche Massregeln zur Durchführung bringen können? Die W o h n u n g s h y g i e n e wird übrigens erst mit dem Bau von Arbeiter-Wohnhäusern ihre radicale Lösung finden. Für Juden bestehen solche, so viel ich weiss, bisher nur in Wilna und Lodz, dank dem Verständnis und der Opferfreude fürstlicher Wohlthäter. Die sanitäre Aufsicht über die Fabrikräume, in denen auch Tausende jüdischer Arbeiter ihr tägliches Brot hart erarbeiten, liegt zum Glück staatlichen Organen ob. Leider aber ist es den strengen Gesetzen englischer und amerikanischer Behörden noch nicht gelungen, das social und hygienisch verabscheuungsvvürdige Sweating-System, die fabrikmässige Ausbeutung von Heimarbeitern, erheblich ^einzuschränken. Noch seufzen in England mehr als 20.000, in Amerika an 100.000 jüdische Arbeiter unter diesem Elend. Die Krankenfürsorge liegt bei uns Inder HandderseitJahrhnndertenwohlinjeder Gemeinde bestehenden Vereinigungen Chewra Kadischa und Bikkur Cholimu Dank diesen Vereinen und einer bei uns iraditionellen Hingebung der Angehörigen an die Krankenpflege sind eigene Krankenhäuser für unsere Armen viel weniger unabweisliches Bedürfnis wie bei Andersgläubigen. Sehr wünschenswert als Ergänzung der Privatpflege ist jedoch die Ausbildung von zahlreichen Krankenschwestern, wie sie in Deutschland durch die hochsinnigen Bnei- Brith-Logen besonders gefordert wird. Jüdische Kranken-, beziehungsweise Curhäuser finden sich in den heilkräftigsten Badeorten von Mitteleuropa und genügen wohl in Summa den dringendsten Curbedürfhüssen armer Juden. Dagegen liegt die Radicaibehandlung jüdischer Tuberculöser noch sehr im Argen. Ihre Unterbringung in öffentlichen Heilstätten bürdet ihnen durch den Essenszwang, wie durch den theils offenen, theils versteckten Antisemitismus allerlei seelische Pein auf, die dem Heilprocesse keineswegs förderlich ist. Bisher existiert nur in Soden ein Schwindsuchts-Sanatorium für Juden aller Länder, das jährlich 250 Leidende mit kurzer Gurdauer aufnimmt. Die Gründung eines zweiten Sanatoriums im Osten Deutschlands wird von den Berliner Wohlthätigkeitsvereinen und gleichzeitig von den Logen ventiliert. Ich kann nicht umhin, die Begründung jüdischer Nervenheilanstalten für mindestens ebenso dringlich zu erklären. Dass die östlichen Juden in absehbarer Zeit die äusseret kostspielige Errichtung von Sanatorien der einen oder der anderen Art nicht in die Hand nehmen können, ist klar. — Ohne grosse Aufwendungen kann aber die hygienische Erziehung der Massen betrieben werden: Vorlesungen über Hygiene und Verbreitung gemeinverständlicher Darstellungen über ,die häufigsten Volkskrankheiten und ihre Verhütung. Hierher gehört auch der Kampf gegen den chronischen Tabakmissbrauch, wie er in Russland gang und gäbe