Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 129)
- Language
- German, English, Hebrew
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129 scharfen Gewürzen ist zu tadeln. leb habe immer das Gefühl, dass die Häufigkeit gewisser innerer Erkrankungen bei den Juden mit diesen täglich wiederholten groben Verstössen gegen eine vernünftige Diätetik zusammenhänge. Neben der Hygiene ist eine Verbillig.ung der Volksnahrung anzustreben. Von diesem Gesichtspunkte aus ist jedenfalls die Gründung von Consumvereinen zu empfehlen; ihre wirtschaftliche Bedeutung wird von anderer Seite gewürdigt werden. Von Juden sind derartige Versuche meines Wissens bereits in Jaffa und Bukarest gemacht worden. Vor allem wichtig sind aber die Volksküchen; nur die grössten Judengemeinden Westeuropas kennen ihren Segen. In Rumänien sind anlässlich der jüngsten* Katastrophe mehr als 30 Volksküchen errichtet worden, zumeist mit Hilfe der Alliance; sie gehören zu den dringendsten Erfordernissen jeder weitschauenden Hilfsaction. Etwas, was von jeder, auch der kleinsten jüdischen Gemeinde verlangt werden kann, den meisten Judengemeinden des Ostens aber leider mangelt, Ut eine geordnete A r m en p fl e g e, ich meine die systematische, centralisierte Fürsorge für jüdische Arme, wie sie z. B. in Berlin durchgeführt ist. Mit Bezugnahme auf die Berliner Organisation fiel vor Jahresfrist auf dem christlichen Gharitas-Congresse von berufener Seite die Aeusserung, dass diese Art der Armenfürsorge bisher unerreicht dastehe. Mindestens gleichwertig sind die Armen-Institutionen New-Yorks, am bewunderungswürdigsten aber das Wirken des Londoner Board of Guarclians. Was diese jüdische Armenbehörde, die ein stattliches eigenes Dienstgebäude, eigene Aerzte und Pflegeschwestern, sowie einen Stab von Hunderten von Helfern und Helferinnen besitzt, namentlich auch in sanitärer Hinsicht leistet, lehrt ein Blick in einen ihrer hochinteressanten Jahresberichte. Das „Sanitary Committee" berichtet aus dem Jahre 1900: 1200 jüdische Armenwohnungen wurden in 28U0 Einzelvisiten inspiciert, besonders auch die regelmässige Function der Wasserciosets controiiert. (1884 befanden sich noch 93% derselben in ganz unbrauchbarem Zustande, 1900 nur ein einziges). Die Reinlichkeit der Kleidung der Armen wurde theils durch belehrende Flugblätter, theils durch persönlichen Einfluss und moralischen Druck gefördert. Besondere Aufmerksamkeit wurde der Fürsorge für die tuberculösen Armen zugewendet: 150 Kranken wurden 527 Besuche abgestattet, dabei wurden ihnen und ihren Angehörigen die strengsten Massnahmen, die einer Weiterverbreitung der Seuche vorzubeugen geeignet sind, immer wieder eingeschärft und ihre Durchführung überwacht. Patienten, die kein Bett für sich allein hatten, lieferte das Comite ein solches, es schaffte ihnen Spucknäpfe an und erzog sie zur unschädlichen Beseitigung des Auswurfs, liess endlich durch ihre Beamten nach jedem Todesfälle von Tuberculösen eine gründliche Desinfection des Krankenzimmers und der Krankenwäsche ausführen. Das ist mehr, als sich die kühnsten Social- 9