Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 126)
- Language
- German, English, Hebrew
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120 leiter und die Hingabe eines interessierten Arztes, aber wenig oder gar keine Kosten. Die warme Theilnahme weiter Kreise und hohe Geldmittel erfordert jedoch die Schaffang von Feriencblonien; in den grossen Gemeinden Deutschlands vielfach mit Erfolg durchgeführt, sind sie in Russland schon durch die Rayonbeschränkungen fast unmöglich gemacht, wenn nicht ein opferwilliger Menschenfreund sich eine Schar Kinder auf sein Landgut einlädt und dort mehrere Wochen verpflegt. Immerhin kennen Odessa und Warschau schon seit Jahren die Wohlthaten der Feriencolonien. Eine noch höhere Stufe der Fürsorge stellen die eigentlichen Kinderheilstätten dar; in den deutschen Heilstätten von Golberg, Eimen, Jastrzemb, welche ausschliesslich privater Mildthätigkeit ihre Gründung und Unterhaltung danken, finden jährlich circa 500, meist scrophulöse Kinder Heilung oder Linderung. Leider ist die Goncessionierung und materielle Fundierung solcher Einrichtungen für die östlichen Juden in naher Zeit nicht zu erwarten. Nun noch zwei wichtige Punkte der körperlichen Hebung, für welche wiederum bei der Jugend der Hebel anzusetzen ist. Es gilt die Beseitigung zweier schwerer Defecte, deren Einfluss auf die Volksgesundheit nicht im Einzelnen mit Händen zu greifen, aber darum doch ein tiefgehender und nachhaltiger ist: Uns fehlt der Wehrstand und der Bauernstand. Wenn nicht nur die sociale, sondern auch die physische Gesundheit des Volkskörpers dadurch bedingt ist, dass er alle Stände und Berufsarteu in sich begreift, so muss namentlich der dauernde Ausschluss militärischer und landwirtschaftlicher Bethätigung, mit einem Worte der gesündesten Formen körperlicher Arbeit die schwersten Folgen haben. Ohne Tradition und Gewöhnung im Waffendienste, ohne ideale Neigung und ohne physisches Verlangen nach Kraftbethätigung absolvieren wir die militärische Pflicht eben als einePflicht,dieuns vom Gesetze auferlegt ist. Da überdies die Aussicht auf militärische Garriere uns in Russland und Deutschland versperrt ist, in Frankreich und Oesterreich allmählich beschränkt wird, so ist eine militärische Disciplinirung des Volksganzen, das Einleben militärischer Traditionen auf diesem Wege nimmer zu erwarten. Ich möchte darum dringend empfehlen, sogenannte Jugend wehren einzurichten, militärische Uebuhgen und Spiele der Knaben mit allem Drum und Dran von Drill und Disciplin. Das existiert bereits für die christlichen Knaben Deutschlands, unter der Protection der höchsten militärischen und Hof kr eise. Für Juden besteht diese Einrichtung in der „Jewish Lad's Brigade" von London, durch Golonel Goldsmith begründet und 400 Knaben umfassend, ähnlich in Johannesburg. Diese Institution wird entweder mit unseren jüdischen Volksschulen verbunden oder ihr mehr weniger locker angegliedert werden können; sie rimss natürlich mit Zustimmung der Behörden und in alier