Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 125 (sequence 125)
- Language
- German, English, Hebrew
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125 lassen, so können sie mit Leichtigkeit auch der Erziehung zur körperlichen, gesundheitsgemässen Reinlichkeit dienstbar gemacht werden, damit diese nicht nur zum Bedürfnisse, sondern zur unabstreifbaren Gewohnheit werde. Kinderhorte der Art bestehen in den grossen Judengemeinden Deutschlands, hier zumeist von pinem engen Kreise privater Wohlthäter unterhalten, denn die Kosten sind gar nicht hoch. Auch für die amerikanischen Judenkinder sind zahlreiche solche Stätten geschaffen, für die russischen wohl nur in Warschau und Lodz. Tn Italien finden die jüdischen Asili infantili auch die Förderung der Behörden und christlicher Philanthropen, Rom allein besitzt vier jüdische Kindergärten, von 500 Kindern frequentiert. — Ueber die jüdische Schulreform ist schon viel, sehr viel gesprochen und geschrieben, zum Glück aber auch schon manches darin geleistet worden. Unser verehrter Gesinnungsgenosse Sokolow hat auf dem vorigen Gongresse über die Schaffang zahlreicher Muster- Chedarim berichtet. Aus seinen Mittheilungen war nicht ersichtlich, ob dort auch die hygienischen Einrichtungen mustergiltig sind. Wenn einmal eine Retbrmierung der Ghedarim im Zuge ist, dann kann es weder praktische noch materielle Schwierigkeiten machen, auch gleich die hygienischen Schulvorhältnisse radical umzugestalten. Da muss auf der einen Seite für genügenden Luftraum und Luftwechsel und für ausreichende Lichtfülle, andererseits für das rechte Einschulungsalter, für eine dem jugendlichen Organismus angemessene Quantität und Qualität des Lehrstoffes Sorge getragen werden. Aber auch positive Leistungen für die physische Regeneration müssen den R.eformschulen ' zugemuthet werden; ich ziele hier auf die Einführung eines geregelten Turnunterrichtes, auf die Anglieclerung von Bädern an die Schulen, wo mindestens einmal wöchentlich gebadet wird, wo die Kinder auch schwimmen lernen müssen. Derartige Schulen sind für Juden specieil wohl noch nirgends eingerichtet worden, aber die deutschen Stadtverwaltungen bauen heute die meisten Schulen gleich mit Brausebad. Diesen umsichtigen und social fortgeschrittenen Behörden müssten wir auch die Anstellung von Schulärzten nachmachen, welche die Gesundheit der Kinder wie die hygienische Einrichtung der Schulraume und des Unterrichtes überwachen. Eine würdige Aufgabe dieser sanitären Berather der Schule wäre auch der organisierte Kampf gegen gewisse, besonders unter den russischen Judenkindern stark verbreitete Krankheiten: Eine Hautkrankheit, den Erbgrind (Favus), und die ägyptische AugenkrankhciL Nur die frühzeitige Auffindung und energische Behandlung dieser schlimmen Zustände kann verhindern, dass sie sich chronisch gestalten und dass jedes Kind ein neuer Ansteckungsherd wird. Die Institution der Schulärzte erforciert lediglich den guten Willen der Schul-