Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 123)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3476254-3476264--1497-3477634- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Schläger emporgestiegen. In Oesterreich, wo den jüdischen Soldaten ein Thfül der höheren Chargen offen steht, kommen auf 100 chargierte Militärs 8,1 Jaden, während unter den Soldaten nur 3,9°/0 Juden sind. Aehnlich ist es in Frankreich, England, Amerika. Die competentesten militärischen Gutachter haben anerkannt, class sich die Juden in den deutschen und amerikanischen Befreiungskämpfen, im englischen Freiwilligenheer, im spanisch-amerikanischen Kriege in grosser Zahl und mit vorzüglicher Haltung betheiligt haben. Unter den Tausend Garibaldis befanden sich 11 Juden, später zählte seine Freischar 127. Das alles und — last not least — die Thatsache, dass sich die Juden trotz allem und allem, was über sie dahingegangen ist, bis heute erhalten haben, soll uns lehren, dass wir ob der schweren Degenerationserscheinungen nicht, den Glauben an die Regenerationsfähigkeit verlieren dürfen. Ein im Kern gesunder, ja ungewöhnlich kräftiger Volkskörper ist in schwerer Zeiten Lauf krank und schwach geworden. Alles aber deutet darauf, dass weder eine hoffnungslos tödliche Erkrankung, noch auch eine im natürlichen Gange der Dinge gelegene Altersschwäche des Rassenorganismus vorliegt, dass ihm vielmehr noch genug unverdorbene, frische Säfte, jugendliche Reservekräfte zugebote stehen. Sie müssen nur wieder geweckt werden, alle Hemmnisse ihrer Entfaltung aus dem Wege geräumt werden. Lassen Sie mich auch die schönen Worte unseres Altmeisters Rülf hier anführen : „Wie wenig mag dazu gehören, um diese jüdische Bevölkerung in ihrer vollen Integrität wieder auferstehen zu lassen! Nur eine Generation der Ruhe und auskömmlichen Ernährung, befreit von allen den hemmenden und degenerierenden Schranken, welche ihnen durch das „Joch der Thora", „das Joch der Regieruug" und das ^Joch des Weltlaufes" gezogen sind." Aber wenn diese Zeit des Culturfrieclens und der freien Entfaltung so greifbar nahe wäre, dann ständen wir nicht liier; dann brauchte nicht erst über die körperliche Hebung verhandelt zu werden, sie käme von selbst, und wir hätten nichts zu thun, als schädliche Eingriffe vermeiden in die spontane Entwicklung des physischen, seelischen und ökonomischen Befreiungsprocesses. Das eben ist, nach dem Urtheil der überwiegenden Mehrheit unserer Genossen, der schönste theoretische und praktische Fortschritt unserer Bewegung, ein Schritt, der alle latente Energie erst recht auslöst und neue Arbeitsfreude und Schaffenslust in unsere Reihen trägt: dass wir nicht unthätig dem Momente entgegensehen, da ein diplomatischer oder religiöser Deus ex machina uns geraden Weges zu unserem Endziel führt, sondern dass wir die Frist bis zur Landnahme für die innere Wiederbelebung, für die Regeneration der Körper und Geister ausnützen. Und ich bin überzeugt: wenn schon bei den westlichen Juden energische Versuche zur körperlichen Hebung keineswegs überflüssig und durchaus erfolgversprechend sind, bei den öst-