Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 118)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3476254-3476264--1492-3477629- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
IIS aus meinen Stadien mit unausweichlicher Gewissheit hervorwachsen zu sehen; zu meiner Genugthuung fand ich nachträglich, dass der bedeutendste medicinische Bibliograph des vorigen Jahrhunderts, Billings, schon vor Jahren die sprichwörtliche Fertilität der Juden als Märchen gekennzeichnet hat. Wenn trotz dieses Zurückbleibens der Geburtenziffer die Bevölkerungszunahme, d. h. der Ueberschuss der Geburten über die Sterbefälle, bei uns immer noch grösser ist, so liegen offenbar die Mortalitätsverhältnisse der Juden so viel günstiger, dass das Deficit an Geburten ausgeglichen und selbst übereompensiert wird. Die vorher angeführten Daten Hessen diese Thatsache schon zur Evidenz hervortreten. Sie erklärt sich hauptsächlich aus der geringen Kindersterblichkeit. Schon die Todtgeburten sind bei Juden seltener, 32°/00 B'e&en 36%0 bei den preussischen Christen; dieser Unterschied markiert sich so scharf, dass in den Mischehen die Verhältniszahl steigt und fällt, je nachdem der Vater Christ oder Jude ist. Hier kommt den Juden wohl die geringere V erbreitung von Alkoholismus und S}^philis zugute, deren deletärer Einfluss auf das Leben der Frucht ja bekannt ist. Den Lebendgeborenen wird weiterhin bei den Juden viel innigere Fürsorge zutheil, die t-h eil weise durch günstigere sociale Verhältnisse erleichtert wird. In Preussen starben 1895 unter 15 Jahren 1497 Juden, 4081 wäre die Sollziffer. In Frankfurt a. M. starben bis zum 5. Lebensjahre, auf tausend Seelen berechnet, 129 Juden, 240 Christen, in Amsterdam 88 Juden, 115 Christen, in Londen 130 Juden, MO Christen, in Galizien 54■•■> Christen, 560 Juden. Also nur in Galizien, wo allerdings das Elend der Juden seinen Höhepunkt erreicht, differiert die Kindersterblichkeit etwas zu Ungunsten der jüdischen Bevölkerung, sonst weitaus zu ihren Gunsten. Da die sogenannte mittlere Lebensdauer einer Bevölkerung am meisten von der Kindersterblichkeit beeinflusst wird, ist demgemäss die durchschnittliche Lebensdauer der Jaden höher: in Frankfurt a. M. 48 Jahre gegen 36 bei Christen, in London 49 Jahre gegen 39 bei Christen, in Budapest 37 Jahre gegen 26 bei Christen, auch in Warschau und New-York wesentlich höher. Das hängt aber sicherlich auch mit der massigen, nüchternen Lebensweise sowie mit der besseren Fürsorge für die Gesundheit zusammen: der Jude wendet sich an den Arzt, wenn eine Erkrankung nicht in kurzer Zeit spontane Besserung zeigt, viele Christen erst dann, wenn die Bedenklichkeit der Krankheit auch dem Laien nicht mehr zweifelhaft ist. Nennt doch schon der Talmud unter den zehn Bedingungen eines geordneten Stadtwesens auch die Ansässigkeit eines Arztes und eines Feldschers. Besonders auffällig ist, wie viel Greise sich unter den Juden finden. In Frankfurt a. M. erreichen das Greisenalter 14% Christen, 27% Juden, in England 5*5% Christen, 25% Juden. Selbst in Galizien ist der