Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 116)
- Language
- German, English, Hebrew
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110 Lassen Sie mich mit den Worten beginnen, die der Mannheimer Arzt Elcan Isaac Wolf vor 125 Jahren seinem Werkchen „Von den Krankheiten der Juden" vorausschickte: „Ich bin nicht gesinnt, meine Brüder durch schreckliche Erinnerungen vergangener Zeiten zu martern oder ihnen Vorwürfe über ihre Untugenden aufzustellen. Ich will nur ihr Elend und zum Theile ihre Armut um deshalben hier anführen, weil ihre Krankheiten so nahe an ihr Schicksal angrenzen. So glaube ich weder Verachtung, noch das Gelächter missgünstiger Menschen zu verdienen, wenn ich als ein armer Israelit, der ebensowohl als seine übrigen Mitbrüder unter dem harten Joche des Elends seufzt, die Krankheiten meiner Bundsgenossen untersuche und dienliche Hilfsmittel vorschlage." Zuvörderst einen Ueberblick über die physische Constitution des Juden mit besonderer Rücksicht auf krankhafte Abweichungen. Hier zuverlässige Daten zu geben, ist ungemein schwierig; die einschlägigen Materialien sind sehr spärlich, das Wenige überdies in die belletristische, politiseh-söciale, philanthropische, medicinische Tages- und Zeitschriftenliieratur aller Länder und Sprachen verstreut und theils unvollständig, theils durch tendenziöse Grundlagen in seinem wissenschaftlichen Werte sehr gemindert. Meinen Bemühungen ist es immerhin gelungen, so viel und so weit verwertbares Material zusammenzubringen, dass mit einiger Bestimmtheit ein Gesammtbild der körperlichen Artung und Entartung der Juden entworfen werden kann. Wenn meine theoretischen Darlegungen etwas lang werden und viel Ziffern bringen, so rechne ich auf Ihre Geduld; aber ich lege grossen Wert darauf, gerade vor dieser Corona und auf einer Tribüne mit solchem Resonanzboden gewisse, aus der zerstreuten Literatur mühsam extrahierte Ergebnisse festzulegen und mancherlei, immer wiederholte Irrthümer endgiltig abzuthun. Wer eine allgemeine Uebersicht über den Gesundheitszustand eines Vokes gewinnen will, muss vor allem die Bevölkerungs- Statistik mit ihren Angaben über Geburten-, Sterbeziffer und Verinehrungs-Quotient zur Hand nehmen. Kaum aber vertiefen wir uns in die Tabellen, so stossen war auf ungeahnte Schwierigkeiten. Da finden wir zum Beispiel, dass in Deutschland seit 20 Jahren sich die relative Zunahme der Juden unaufhaltsam vermindert, ihre Vermehrung bei weitem nicht Schritt gehalten hat mit der Zunahme der nicht-jüdischen Bevölkerung. So betrug in den letzten 5 Jahren in Preussen die Vermehrung auf 10.000 Seelen bei Protestanten 7*1, Katholiken 10*1, Juden 3*3. Auch die absolute Geburtenziffer ist ständig gesunken und betrug 1895 nur 62% der Zahl, die nach dem Bevölkerungsantheile der Juden zu erwarten gewesen wäre. Dies scheint auf den ersten Blick einen rapiden Niedergang der jüdischen Rasse zu erweisen. Das wäre jedoch