Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 115)
- Language
- German, English, Hebrew
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115 Hanges ausgeschlossen ist. Mit Phantasien über „wenn" und „falls" will ich aber keine Zeit verlieren. Wie die Dinge thatsächlich liegen, können wir nicht viel thnn. Toynbee-Hallcn, freiwillige Vorträge sind sehr nützlich, gewiss, aber sie sind doch nur eine Form der Wohlthätigkeit, ein geistiges Almosen und deshalb immer eine nicht ganz unbedenkliche, nicht ganz harmlose Gabe. Gute Volksschriften in der dem Volke verständlichen Mundart, anständige, inhaltsreiche, in gutem Geiste redigierte Zeitungen und Zeitschriften haben zweifellos gleichfalls ihren Wert. Doch auch davon zu sprechen ist blosse Ehetorik, so lange wir kein Geld haben, solche Literatur zu producieren, und das Volk kein Geld hat, sie zu kaufen. Sicheres tägliches Brot für die jüdische Masse und die Möglichkeit, einige Ersparnisse zu sammeln, Erziehung zum Zionismus und dadurch Eroberung der Gemeinden, das ist es, was noththut. Ist erst dieses Programm erfüllt, dann wird es ein Leichtes sein, das jüdische Volk zum gebildetsten der ganzen Erde zu machen. Denn unsere geistigen Fähigkeiten erkennen selbst die Feinde an, unser Bildungsdrang ist beinahe krankhaft stark und unsere Bildimgstradition geht auf Jahrtausende zurück. Sind wir erst reich genug, um uns ein eigenes ausreichendes Schulwesen zu schaffen, so werden wir hoffentlich der Welt zeigen können, dass es unmöglich ist, uns geistig zu proletarisieren, wie man uns wirtschaftlieh proletarisiert hat. Doch ehe wir unsere Schule rühmen, müssen wir sie haben, und um sie zu haben, müssen wir wirtschaftlich kräftig werden. So lang dieser Bericht geworden ist, er ist dennoch weit entfernt, seinen. Gegenstand zu erschöpfen. Ein einzelner Kopf kann den Plan der vollkommenen Wiedergeburt eines alten, unglücklichen, verfallenen Volkes nicht in allen Details ersinnen. Ich musste mich darauf beschränken, Gedankenkeime auszustreuen. Mögen sie im jüdischen Volke spriessen. An der Ausgestaltung und Verwirklichung der Gedanken müssen Sie alle mitarbeiten. Die Wiedergeburt des jüdischen Volkes soll und wird das gemeinsame Werk des jüdischen Volkes sein. (Die Eede wurde in ihrem Verlaufe fast in jedem Satze von lebhaftem und oft stürmischem Beifall begleitet, der sich am Schlüsse zu einer begeisterten Ovation für den Eedner steigerte.) Vicepräsident Sir Francis Mouieftore (den Vorsitz übernehmend): Das Wort bat der Herr Correferent Div Jeremias. Dr. Jeremias (Posen): Wenn ich als einer der jugendlichsten Delegierten der Ehre theilhaftig werde, vor dieser illustren Versammlung über ein hochwichtiges Thema unserer Tagesordnung zu referieren, so muss ich im voraus um Ihre gütige Nachsicht bitten. Nach einem Norclau zum Worte gelangend, muss ich von vornherein darauf verzichten, Sie etwa durch den Glanz der Darstellung, durch Originalität der Betrachtungsweise, durch zündende Kernworte fesseln zu wollen. Mit nüchterner Sachlichkeit vielmehr will ich meiner Aufgabe gerecht zu werden suchen und bitte Sie um Ihre ganze Aufmerksamkeit für diesen ernsten Gegenstand.