Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 114)
- Language
- German, English, Hebrew
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- Minsk 1× ep/1000754
- Vilnius 1× ep/1000947
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114 dient, das er in London erarbeitet, so ist er fast wohlhabend. Was in London ein Himgerlohn ist, das ist in Minsk oder Wilna, in Jassy oder Galatz auskömmlicher Erwerb. Und der Arbeiter ist nicht ans seiner Familie, seinein Kreise, seinen Ueberiieferungen, seinen Gewohnheiten herausgerissen. Das Eeisegelcl aber, das er erspart, dieses rein verpulverte Reisegeld, das er doch hat oder sich irgendwie zu verschaffen weiss, reicht voll kommen aus, um den Grundstock von Cooperativgenossenschaften zu bilden, die ja mit ganz kleinem Capital arbeiten können. Stoff, Leder, ]Srähfaden und alles sonst zu der Kleider- und Schuhfabrieation Köthige würden Fabrikanten sehr gerne mit drei« oder sechsmonatigem Credit liefern. Die fertige Ware würde sofort, abgesetzt oder mindestens in Warrantform beliehen werden können, die Arbeiter würden also ihren Lohn wenigstens theilweise gleich erhalten. Dazu ist nichts nöthig als die industrielle und kaufmännische Organisation der Cooperation. An Ort und Stelle braucht das Arte! Gemeinsinn und Mannszucht, an dem Absatzmärkte eine tüchtige und gewissenhafte kaufmännische Vertretung,, dann arbeitet die Maschine glatt und wandelt verhungernde Luftmenschen in Producenten um, die menschenwürdig leben und etwas ersparen können. Organisation! Das ist. das erste und das letzte Wort auch auf wirtschaftlichem Gebiete. Und wer ist mehr dazu berufen, die hilflos ehaoiHciie jüdische Masse im Osten zu organisieren, als der Zionismus? Er nehme die Bildung der Cooperativgenossenschaften entschlossen in die Hand. Er lehre sie, sich gewerblich und kaufmännisch einzurichten. So gibt er den Hungernden Brot, so erzieht er die Verwahrlosten und Verwilderten zur Disciplin, so macht er aus weinenden,, ohnmächtigen Betern und weichlich verschwommenen Sehnsuchtsmenschen verlässliche und thatkräftige Zukunftsbürger Zions. Sind erst die Schneider- und Schuster-Artels einigermassen eapitalkräftig geworden, dann wird man auch daran denken können, andere Massen- und selbst Kunsthandwerke einzuführen, denn man wird das Geld haben, Fachschulen und Musterwerkstätten zu gründen und gute Lehrmeister zu bezahlen. So gelangen wir' dazu, an den heutigen Stätten des Elends und der Erniedrigung wirtschaftliche Unabhängigkeit, vielleicht Wohlstand und jedenfalls W^ürde und Selbstvertrauen zu schaffen und ein Volk heranzubilden, das, wenn die Stunde sehlägt, den Boden der Väter festen Fusses betritt, sicher, sein Brot überall in Ehren und reichlich verdienen zu können. Auf die Frage der geistigen Hebung will ich mich gar nicht erst einlassen. Alles, was hierüber gesagt werden kann, ist leere Eedensart,. so lange die Voraussetzung einer gründlichen, allseitigen Volksbildung fehlt, nämlich Geld. Natürlich, wenn wir über die thatsäelilich vorhandenen Gemeindemittel und Stiftungscapitalien, die heute vergeudet oder gegen die jüdischen Volksinteressen verwendet werden, verfügen würden, so könnten wir schon heute glänzende Schuleinrichtungen schaffen, die das jüdische Volk es nicht bedanern lassen, würden, dass es an seinen Haupt sitzen aus den Staats- und Gemeindesehulen jedes