Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 109 (sequence 109)
- Language
- German, English, Hebrew
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109 und jüdische Acrztc ausgeschlossen sind, und dass er vorurtheilslos für jüdische Zwecke jeden Pfennig verweigert, dagegen alles, was er an Gememsinn oder auch nur an Eeclamebedürfnis besitzen mag, solchen Landeseiiirichtungen zuwendet, an denen den Juden infolge des herrschende]! Antisemitismus in der Eegel kein Antheil gegönnt ist. Und selbst wenn ein jüdischer Millionär einmal so parteiisch, so vorurtheilsYoll, so intolerant ist, dass er auch für seine jüdischen Brüder etwas thun will, so thut er es unfehlbar so, dass es dem jüdischen Volke nicht zum Segen, sondern zum Fluche gereicht. Er vertheilt Almosen und züchtet damit Schnorrer oder er gründet Colonien mit solcher Geschicklichkeit und so glücklicher Hand, dass er die Colonisten, die ursprünglich tüchtige selbständige Arbeiter waren und es auch bleiben wollten, in Berufsbettlcr verwandelt, oder er hinterlässt dem jüdischen Volke Hunderte Millionen und umgibt dieses in der Geschichte unseres Volkes beispiellose grossartige Vermächtnis mit solchen Bestimmungen, dass der Schatz, der geradezu das Werkzeug der Erlösung des jüdischen Arolkes werden könnte, zur tückischen Bekriegung und Auflösung des jüdischen Volkes verwendet wird und wir heute in diesen Hunderten jüdischer Millionen den schlimmsten Feind des jüdischen Volkes erkennen müssen. VII. Sie sehen, geehrte Versammlung, die Erkenntnis, die wir erlangen, wenn wir die wirtschaftliche Verfassung des jüdischen Volkes mit Wirklichkeitssinn und Wahrheitsdrang prüfen, ist herzbrechend. Wir gelangen zur trostlosen Feststellung, dass wir ein 'Volk von bettelarmen Proletariern mit den geistigen Bedürfnissen von Kdelleuten sind. Wie soll ein bettelarmes Volk die Anstrengung machen, die der Zionismus von ihm fordert: Wie sollen Luft menschen, unausgebildet.e Handwerker, vermögenslose Händler, thnstesproletarier ohne wirtschaftliche "Unterlage und Zukunft, wie sollen diese kläglich schwachen Elemente ein jungfreudig hoffendes und strebendes Volk schaffen, ein starkes neues Gemeinwesen aufbauen? Diese Elemente sind es aber, mit denen wir nun einmal zu arbeiten haben, und es ist klar, dass es die erste Aufgabe des Zionismus sein muss, sie zu starkem, sie ökonomisch tüchtiger zu machen, damit sie für seine Zwecke brauchbarer werden, als sie es heute noch sind. Wir stehen hier jedoch vor einem Circulus vitiosus, angesichts dessen ein schwaches Herz wohl verzagen könnte. Das jüdische Volk kann aus seiner bitteren Armut nur erlöst werden, wenn es auf eigener Scholle ein normales "Wirtschaftsleben führt, und es kann die eigem Scholle nur erwerben und sieh ein normales Wirtschaftsleben nur einrichten, wenn es aus seiner bitteren Armut erlöst is;t. Es mixt nichts, vor der grausam geschlossenen Pundung dieses fehlerhaften Kreises zu stehen und die Arme muchlos sinken zu lassen. Wir müssen in den Kreis einbrechen. Wir müssen damit beginnen, das jüdische Volk wirtschaftlich zu stärken, denn nur ein wirtschaftlich einigermassen