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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1901-01-01 · 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901 · p. Seite 108

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
Date
1901-01-01
Page
Seite 108 (sequence 108)
Language
German, English, Hebrew
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108 lichkeit die Bede. Die Feinde sagen: wir leisten keine Dienste, wir sind dem Gemeinwesen nicht nützlich. Die Freunde betheuern: wir leisten Dienste, wir sind nützlich. Die jGleichgütigen fragen: welche Dienste leisten die Juden? Welchen. Nutzen bringen sie uns? Niemand aber scheint zu bemerken, wie unerhört, wie ungeheuerlich dieser Standpunkt, diese Fragestellung ist. Von welchem anderen Volke der Erde hat man sich jemals erdreistet, zu fragen: wozu dient es? Wo hat man je gehört, dass ein Volk zu etwas dienen muss? Ein Volk ist Selbstzweck. Es lebt sich, nicht anderen zu Gefallen. Es darf natürlich keinem anderen schaden, weil es sonst Abwehr hervorruft, die es vernichten kann. Aber es braucht niemand zu nützen. Es braucht sein Dasein und seineDaseinsberechtigung nicht dadurch zu erkaufen, dass es anderen Dienste leistet. Nur von uns findet man es selbstverständlich, dass wir unser Eecht aufs Dasein durch anderen geleistete Dienste erweisen müssen. Nur wir haben nicht das Eecht, für uns selbst zu. leben. Nur wir sind die natürlichen Hausknechte aller Völker, die der Dienstherr wegjagen kann, wenn er sie nicht mehr nöthig zu haben, glaubt, die aber selbst ihrem Dienstherrn nicht kündigen können, weil es für sie keine Wahl der Dienststelle gibt. Erst wir Zionisten suchen wenigstens die Kündiimno; in dieses schmachvolle Dienstverhältnis einzuführen. Denn der _ Zionismus ist thatsächlieh die Kündigung des jüdischen. Hausknechts an diejenigen Dienstherren, die ihn allzu nichtswürdig missbrauchen. Fürst Bismarck sagte einmal gesprächsweise, er wünsche dem deutschen Volke eine grössere Anzahl. Thalermillionäre, denn ihr Beichthum würde der Cultur und ganzen Lebenshaltung des deutschen Volkes zugute kommen. Was Fürst Bismarek vom deutsehen Volke sagte, das ist von allen Völkern richtig. Die Millionäre eines Volkes sind für das ganze Volk von Wert und Nutzen, und wenn sie noch so wenig Gemeinsinn besitzen. Sie können gar nicht anders als die Bildung des Volkes erhöhen, seine Kunst fördern, seine wirtschaftliche Kraft stärken. „Wenn die Eose selbst sich schmückt, schmückt sie auch den Garten/' Nur bei unserem armen Volke ist alles so anormal, dass es in seiner Gesammtheit, als Volk, nicht das Geringste dabei gewinnt, wenn einzelne seiner Söhne Millionäre werden, meinethalben sogar nicht Thaler-, sondern Pfundmillionäre. Die bekannten Ausnahmen, die angeblich die Eegel bestärken, zugegeben, können wir im allgemeinen sagen, dass jeder Jude, der Millionär wird, ein dem Judenthum verlorener Jude ist. Wird ein Jude ausnahmsweise reich, so ist das natürlich gut für ihn, wahrscheinlich auch gut für sein Land, aber für das jüdische Volk bedeutet es keine Stärkung, sondern eine Schwächung. Denn, der jüdische Millionär hält es für seine erste Pflicht, ein schönes Beispiel von Vorurtheilslosigkeit, Unparteilichkeit, Toleranz zu geben, und das thut er unabänderlich in der Weise, dass er tolerant für christliche Kirchen Baugelder beisteuert, dass er öffentliche Krankenhäuser stiftet, aus denen mit strenger Unparteilichkeit jüdische Kranke, jüdische Pfleger

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