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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1901-01-01 · 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901 · p. Seite 106

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
Date
1901-01-01
Page
Seite 106 (sequence 106)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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106 tonen, die für die Tragik seiner hohlen Wangen und seines fadenscheinigen Rockes keine Empfindung haben, verachten den Bettelstudenten. Die Lehrer empfinden tiefe Abneigung gegen den Schüler, den sie für unfähig und faul halten, obschon er doch einen übermenschlichen Fleiss entfaltet, freilich nach einer anderen als der von ihnen mit Recht geforderten Richtung, und sie gelangen zu einem verallgemeinern den Antisemit!smus, vor dem selbst ein so freier Geist wie Billroth sich nicht zu hüten vermochte. Während des Studiums ist der Bettel Student ein Proletarier, im Examen ist er ein Glücksspieler, mit dem Diplom in der Tasche wird er erst recht wieder zum Luftmensehen. So entsteht bei uns das grauenhafte Paradoxon, dass das Studium, das bei jedem anderen Volke den-Zugang zu höherer gesellschaftlicher Stellung öffnet, bei uns nicht erhöht, sondern womöglich noch erniedrigt. Der arme Jude, der sich zu einem gelehrten Berufe erhebt, hört nicht auf, Proletarier zu .sein, sondern proletarisiert jeden gebhrten Beruf, in den. er einigermassen zahlreich eindringt. Er ist selbst minderwertig, und seine Armut zwingt ihn, seine Leistung niedrig zu bewerten. Dass es sich auch hier nicht um einen Mangel an Fähigkeit, an Ernst, an Pflichtgefühl, sondern nur um einen Mangel an Betriebscapital handelt, beweist die winzige Minderheit jener jüdischen Studenten, die aus dem wohlhabenden Mittelstande hervorgehen und während der Studienzeit wirklich studieren können statt für sich und oft sogar für ihre Familie erwerben zu müssen. Aus diesen wenigen gut gestellten Studierenden gehen die Geisteslichter erster Grösse unverhältnismässig zahlreich hervor. Man führt es oft als Beweis des starken Bildungsdranges der Juden an, dass sie in der Mittel- und Hochschule procentual ungleich stärker vertreten sind als in der Bevölkerung. Ich glaube, dass man uns da ausnahmsweise einmal schmeichelt. Die Juden studieren so zahlreich nicht aus Bildungsdrang, sondern aus Verzweiflung. Der Gedankengang, auf dem der arme und ärmste Jude zum Entschlüsse des Studierens gelangt, reizt in seiner drollig einleuchtenden Absurdität zugleich zum Lachen und zum Weinen. Er hat zum allerbeseheidensten Berufe die Mittel ebensowenig wie zum .anspruchsvollsten. Warum soll er da nicht den anspruchsvollsten wählen? Es fehlt ihm dazu nicht mehr als zum allerbeseheidensten, sondern nur ebensoviel, nämlich alles. Das jüdische Bettelsindium ist ein toll verwegenes Spiel um hohen Gewinn mit lächerlich, geringem Einsätze. Das Ausreissen nach vorne ist eine berühmte Eigenthümlichkeit des preussischen Soldaten. Der Bildungsdrang des Juden ist ein Ausreissen nach oben. Mancher Jude, der es fabelhaft weit gebracht hat, würde, wenn er in die Tiefen seiner äussersten Beweggründe hinableuchten wollte, bekennen müssen: „ Da ich nicht Tagiöhner werden konnte, so blieb mir nichts übrig, als Minister zu werden/' VI. Das ist die wirtschaftliche Verfassung des jüdischen Volkes in seiner Gesamintheit. Wir sind ein Volk von Luftmenschen und Bil-

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