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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1901-01-01 · 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901 · p. Seite 105

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
Date
1901-01-01
Page
Seite 105 (sequence 105)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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105 gebenden Personen die Ueberzeugimg erweckt, dass er zu höhererGeistesbildung ungewöhnlich berechtigt sei. Für diesen Ausnahmefall gibt es Stipendien, theils aus Privatstiftungen, theils aus öffentlichen Mitteln, so dass der vermögenslose Student während seines Studiums von Sorge und Ablenkung frei ist und leben und arbeiten kann, wie wenn er von Haus aus die unerlässliche materielle Vorbedingung des höheren Studiums erfüllte, wie wenn er Vermögen besässe. Im jüdischen Volke allein herrscht der Wahn, dass man studieren könne, ohne Geld zu haben. Bei uns allein beobachtet man die unheimliche Erscheinung eines tollen Andranges zur Mittel- und Hochschule bei einer Jugend, die sich einbildet, sie könne mit dem Kopf arbeiten, ohne den Magen zu füllen und ohne ihre Blosse zu bedecken, sie könne Wissen erwerben, ohne dafür den regelrechten Preis an Geld und Zeit zu bezahlen. Wir haben den traurigen Vorzug, wie den Typus des Luftmenschen, so den Typus des Bettelstudenten hervorgebracht zu haben. Ganz ausnahmsweise kommt dieser Typus ja auch bei anderen Völkern vor, bei den vorgeschrittenen allerdings weit seltener als bei den zurückgebliebenen, aber im ganzen ist der Bettelstudent doch eine specif isch jüdische Erscheinung. Wie das Studium des Bettelstudenten beschaffen sein kann, das ist nicht schwer zu errathen. Die allgemeinen Staats-, Gemeinde- und Körperschaftsstipendien fallen ihm kaum jemals zu. Die Zahl der jüdischen Gemeinde- und Privat Stiftungen zur Unterstützung der Studierenden ist sehr gering und man übertreibt nicht, wenn man annimmt;, dass im Durchschnitt auf ein Stipendiuni fünfzig Bewerber kommen. Der Bettelstudent sucht während der Studienzeit zu erwerben. Er jagt in wilder Gier Unterrichtsstunden nach, die ihm erbärmlich bezahlt werden und ihn im Alter seiner schönsten Charakter- und Geistesbildsamkeit nicht nur seine Zeit und Kraft kosten, sondern ihm auch den Stolz knicken, das Selbstgefühl und die Würde nehmen. Wer nicht unterrichtet, der stümpert im Journalismus und in der Literatur, der übersetzt, copiert, verrichtet vielleicht noch niedrigere Arbeit. Das Studium, das doch die Piaupisache sein sollte, sinkt zur Nebenbeschäftigung hinab. Der Bettelstudent hat dafür nur einige verlorene Augenblicke übrig und bringt dazu statt der erforderlichen Sammlung und Frische einen müden, zerstreuten, von tausend gemeinen Sorgen erfüllten Geist mit. Das Examen wird unter diesen Umständen für ihn zu einem erschreckenden Wagnis, an das er mit bebendem Herzen herantritt. Er weiss, dass er nicht vorbereitet ist, er weiss, dass er keine Berechtigung hat, aber wie der Luftmensch auf ein tägliches Wunder für seine Ernährung, so hofft der Bettelstudent auf ein Wunder für seine Prüfung, und wenn er sie besteht, so sagt ihm sein Gewissen häufig, dass er unverdientes Glück gehabt hat. Während der Studienzeit ist er schlecht genährt, schlecht gekleidet, schlecht mit Arbeitsmitteln versehen, ohne Schwung, ohne Geistesfreiheit, ohne jenen Hauch von Vornehmheit, den die Wissenschaft sonst um ihre Jünger verbreitet. Die glücklicheren Commili-

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