Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 102)
- Language
- German, English, Hebrew
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Volkes und seiner wirklichen Verhältnisse, sind wir also schlecht oder gar nicht vorbereitet. Wir sollten mit unanfechtbaren, eisernen Zahlen wirtschaften und wir haben nur allgemeine, verschwommene Empfindungen. Wir fordern von den wenigen. Special forschem der Materie Auskünfte und erhalten Stimmungen. Wir seilen uns nach Demographie um und entdecken Literatur und Kunst. Ich leide hart unter diesem Mangel an erschöpfenden Vorarbeiten. Denn er macht es auch mir unmöglich, Timen etwas anderes zu bieten als rein subjective Eindrücke, wie man sie aus dem täglichen Leben, aus dem Gespräche mit Mensehen aller Classen, aus Büchern jeder Herkunft gewinnt, wenn man nicht in der Lage ist, die Fülle der Thatsnchen durch geduldige Zählung scharf und nüchtern zu bestimmen. IL Soll ich nun. diese Eindrücke zusammenfassen., so muss ich sagen, dass das jüdische Volk in seiner Gesanrmtheit das unvergleichlich ärmste unter allen Völkern, der Erde ist. Ich steile diese Behauptung ohne Bedingung und Einschränkung hin. Es gibt kein Volk auf Erden, das absolut weniger besitzt als wir, oder auch nur so wenig wie wir. Selbst die tief st st eben den Wilden sind absolut reicher als wir. Die Eskimos haben das Recht und den Raum und den Stoff', ihre Schneehütten zu bauen, wie und wo sie wollen, und Robben zu jagen, wo sie können. Selbst die Feuerländer dürfen ihre Feuer anzünden, und fischen, wo es ihnen behebt. Das jüdische Volk allein hat nicht das Recht, seine Kräfte uneingeschränkt zu gebrauchen, um seine ursprünglichsten Leibesbedürfnisse zu befriedigen. Und während es wirtschaftlich schlechter gestellt ist als die ärmsten Wilden, hat es doch alle Bedürfnisse gesitteter Menschen, vermehrt um einige kostspielige Bedürfnisse religiöser Xatur, die der nicht jüdische (Kulturmensch nicht kennt, und so ist es relativ noch weit ärmer als der ärmste Stamm von Wilden., hinter dem es auch schon an absolutem Besitze zurücksteht. Wer ein menschlich, fühlendes Herz hat, dem muss es sich zusammenkranrpferi, wenn er die wirtschaftliche Lage des jüdischen Volkeft in seiner Gesammtheit betrachtet. Speciell im Osten, wo die Hauptmasse unserer Brüder siedelt, ist das jüdische Volk ein Volk von Berufslosen. Wir haben im letzten. Menschenalter verzweifelte Anstrengungen gesehen, hierin eine Aenderung, eine Besserung herbeizuführen. Wir haben jetzt zahlreiche jüdische Handwerker und Taglöhner, aber der wirtschaftliche Typus, der im Osten, noch, immer am häufigsten vorkommt, ist der des Luitmensehen, jener speeifisch jüdischen Erscheinung von erwachsenen, leidlich gesunden Menschen, die jeden Morgen beim Erwachen auf einen fabelhaften Glücksfall rechnen, um sich, durch den Tag durch zu fristen, und die.es des Abends gläubig oder abergläubisch als ein Wunder anstaunen, wenn sie tagüber für sich und die ihrigen einen Bissen Brot gefunden haben. Ich muss darauf bestehen, den Luftmenschen einen speeifisch. jüdischen Typus zu nennen. Die englische Grosstadt kennt den Loafer, den Müssiggänger, der sich an den