Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 101)
- Language
- German, English, Hebrew
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m Folgen ihres Daseins Gedanken machen zu müssen, können der hellsten statistischen Beleuchtung eher entrathen als wir, die von Grund, auf einen neuen Volksbau errichten sollen. Uralte Gebäude, die schon Jahrhunderten oder Jahrtausenden getrotzt haben, bestehen empirisch weiter, ob man ihren Grund- und Auf riss und die Beschaffenheit ihres Baustoffs kennt oder nicht. Will man aber ein neues Haus auffuhren, so ist die xVusarbeitung eines Planes und die Prüfung der Festigkeit des zu verwendenden Baumaterials unerlässlich. Zur Erfüllung dieser Forderung ist bisher noch so gut wie nichts geschehen. Ein Vorwurf ist dafür gerechterwoise niemand zu machen. Selbst in vollkommen ausgerüsteten Staaten, die Geld, fachkundige Statistiker und eine kräftige, überall Gehorsam findende Verwaltung haben, ist die Durchführung einer auf der Höhe der Wissenschaft stehenden allseitigen Statistik ein überaus langwieriges, schwieriges und kostspieliges Werk. Uns stellen solche Forscluingswerkzeuge nicht zur Verfügung. Wir sind auf guten Willen, auf freiwillige Anstrengungen und leider grossentheils auf Dilettantismus angewiesen. Unsere nichtamtliche Arbeit würde mehr Geld kosten als die amtliche der Staatsgewalt und wir haben im vergleich lieh weniger Geld als sie. Dass jüdische Millionäre für die Erforschung des jüdischen Volkes Opfer bringen würden, darauf haben wir nicht zu rechnen. Die besten unter ihnen_, in denen noch das jüdische Gefühl am regsten ist, interessieren sich allenfalls für die jüdische Vergangenheit und stiften günstigstenfalls Museen jüdischer Alterthünier und jüdischer Kunst, aher bis zur wissenschaftlichen Erfassung der lebendigen Gegenwart des jüdischen Volkes reicht ihr Interesse nicht. So ausserordentlich schwierig die Aufgabe ist, das Volkslehen in allen seinen materiellen und moralischen Anblicken statistisch festzulegen, der Zionismus wird sich ihr gleichwohl nicht entziehen dürfen. In Deutschland ist uns einigermassen vorgearbeitet worden, und wir können hei. der "Reiehsstatistik hospitieren, um an ihren Methoden zu lernen und. den die Juden betreffenden Theil ihrer Arbeiten, so unvollständig er auch noch ist, mit Dank zu benutzen. England, Frankreich, Nordamerika, Italien, Belgien, Holland, die skandinavischen Länder, die Schweiz haben eine sehr entwickelte Statistik, diese macht jedoch keinen Unterschied zwischen den jüdischen Staatsbürgern und den anderen, sie bietet uns also nichts für unsere Zwecke. In Oesterreich - Ungarn, Rumänien und namentlich Kussland wird dieser Unterschied gemacht, aber da ist die amtliche Statistik wenig vollständig und wir erfahren aus ihr nicht entfernt alles, was uns über die Verhältnisse des jüdischen Bevölkemngstheils zu wissen noththut. Es stehen uns aus diesen Ländern, den wichtigsten für das jüdische Volk, nur einige Arbeiten individueller, nicht verantwortlicher Schriftsteller zur Verfügung, die nur ganz kleine Theile des zu bearbeitenden. Gebietes umfassen und von denen wir nicht einmal wissen, ob und wie weit sie genau und zuverlässig sind. In diesem wichtigsten Punkte, der positiven Kenntnis unseres