Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 78)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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Wohl war es meine Absicht, meine geehrten Zuhörer, bezüglich der Jüdischen Colonialbank Ihr Augenmerk auf den Umstand zu lenken, dass dieselbe in der Lage ist, als nutzbringendes Institut zu bestehen und Ihnen zu sagen, dass die Gründer derselben sich der Hoffnung hingaben und vertrauensvoll daran glaubten — ja, dass sie auch gegenwärtig noch hoffen und vertrauen — die Bank werde gute Zinsen und Dividenden abwerfen; aber sie wurde für einen weitaus höheren, erhabeneren Zweck, als einfachen Geldgewinn, gegründet, für einen Zweck, welcher wohl edler und vornehmer klingt als der, eine neue Zahl von jüdischen Millionären ins Leben zu rufen. Die Bank wurde gegründet, um die finanziellen Mittel zu beschaffen, welche nöthig geworden sind, um das Zionisten-Programm praktisch durchführen zu können, und aus diesem Grunde allein, sollte sie sich unbedingt und für ewige Zeit der Sympathie und der Hilfe aller loyalen und patriotisch denkenden Juden erfreuen. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Del. Mandelbaum fBraila) : Geehrte Congressmitglieder! Ich muss in erster Reihe um Verzeihimg bitten, dass ich mir erlaubt habe, als ein jüngerer Delegierter in einer Angelegenheit von so grosser Bedeutung das Wort zu ergreifen, bevor noch einer der Herren, die mehr Erfahrung besitzen, das Wort ergriffen hat. Wir sind uns alle dessen bewusst, dass die zionistische Bewegung eine hoehideale ist. aber als Endziele einen unbedingt praktischen Zweck hat. Diesen praktischen Zweck kennen Sie alle zur Genüge. Er ist im Baseler Programm enthalten. Zur Erreichung eines so gewaltigen Zweckes gehören gewaltige Mittel. Ob diese grossen Mittel heute auch richtig angefasst wurden und ob dieses gewaltige Instrument, dessen wir benöthigen, auch richtig vom Fundament aus gut aufgebaut und geschmiedet wurde, bleibt heute noch zu discutieren. Die Hoffnungen und Erwartungen, zu denen wir berechtigt waren, haben sich als irrig erwiesen. Die Bank wurde mit einer Anzahl von zwei Millionen Actien gegründet. Es war mit Rücksicht auf den idealen und praktischen Zweck gleichzeitig zu erwarten, dass unsere Juden sich mit allem Enthusiasmus auf den Kauf dieser Papiere werfen werden. Die reichen Herren wussten schon von vorneherein, wie die Sachen stehen. Man rechnete auf das Ideal des armen Publicums und die Proletarier, auf die Opferwilligkeit des jüdischen Volkes, und man ist irre gegangen. Das jüdische Volk ist gerne bereit, grosse Opfer zu bringen für das Gedeihen dieser grossen Sache, aber das jüdische Volk ist leider nicht, wie uns die Antisemiten vorwerfen, reich, sondern arm und elend, und arm und elend sind wir, die wir im Osten wohnen,, in Rumänien und Russland. Auf diese grosse Zahl wurde gebaut, als man voraussetzte, dass 2 Millionen gezeichnet, resp. vielfach überzeichnet werden würden. Dass diese Anschauung eine irrige war, davon haben wir heute die vollständigste Ueberzeugung. Gewöhnlich, wenn Actien zur Subscription gelangen, erwartet man eine Ueberzeichnung um das drei-, vier-, ja zehnfache. In dieser Erwartung waren diejenigen — ich sehe ab von den Idealisten; die sind wenig und ohnmächtig — die eine grössere Anzahl von Actien gezeichnet haben, praktische Männer und haben in der Erwartung, dass eine Ueberzeichnung stattfinden werde, eine grössere Anzahl gezeichnet. Ich kann Herren anführen in unserer