Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 53)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476264--1427-3477564- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
in Russland vor sieh geht. Sic stellen sieh vor: Da in Russland so viel Juden sind, so müssen dort eo ipso auch viele Zionisten sein. Xein! Eben weil es dou viele Juden gibt, gibt es viele Gegner. Jeder Zionist niuss erkämpft werden. Er hat einen Kampf fast in seiner eigenen Familie durchzumachen. Jeder Zionist, jeder Schekelzahler in Russland ist ein durchdachter Zionist. Er hat viele Kämpfe in sich durchgemacht. Glauben Sie nicht, dass wir in Russland keine intelligenten Gegner haben! Ich kann positiv behaupten, dass wir specielL die wir aus Warschau hierhergekommen sind, sehr intelligente Gegner haben : und je intelligenter unsere Gegner sind, desto mehr geistige Kraft müssen auclt wir aufwenden. Wir wollen hier nicht irgend eine Medaille für diese unsere Thätigkeit bekommen, aber stellen Sie sich nicht vor, dass die Arbeit in Russ land so leicht wäre. Wir haben viel zu thun: aus diesem Grunde reden wir wenig. (Heiterkeit. Sehr gut!) Wir erzählen nicht, was wir thun. aber unsei«- Arbeit ist eine sehr schwere, und unser Weg ist ein dornenvoller. ( Beifall.) Del. Dr. W eitzmann: Verehrte Anwesende! Als ich den Bericht des A.-C. zu Ende gehört hatte, nahm ich mir vor, über diesen Bericht nicht zu sprechen, denn er war so gehalten, dass man an ihm eigentlich eine Kritik nicht üben konnte, ich wurde von einem Herrn gefragt: ..Wollen Sie sprechen?"' Darauf antwortete ich: „Man kann ja über den Bericht nicht sprechen." Da sagte er mir in sehr witziger Weise: ..Sprechen Sie über das, was im Berichte nicht steht." Vielleicht wäre es in der That sehr gut, darüber zu sprechen, aber aus formellen Gründen kann man doch nicht über dasjenige sprechen, was in dem Berichte nicht steht. Ich sage, der Bericht ist entschieden einseitig gehalten, wie schon einige Redner dies hervorgehoben haben. Alan bekommt kein Gesammtbild der üe wegung aus diesem Bericht. Ereilich hat sich jede Landsmannschaft einen Berieht von ihrem engeren Comite geben lassen. Das A.-C. aber verbindet eigentlich die Berichte aller Landsmannschaften, und dazu verliest es ja eben seinen Berieht, damit wir auch in Russland erfahren, was in Deutschland vorgeht und vice versa. Das ist nicht geschehen, und das trägt stets dazu bei, dass die Zionisten im allgemeinen nicht über die Sache des Zionismus in der ganzen Welt orientiert sind. Die Berichte müssten so abgefasst sein, dass man einmal im Jahre wenigstens wirklich ein klares Bild der ganzen Bewegung bekommt. Ich will da durchaus nicht dem engeren A.-C. einen Vorwurf mache;!, denn, wie gesagt, das engere A.-C. summiert, synthetisiert diejenigen Berichte, die ihm von den Landes-Comites gegeben werden. Wahrscheinlich ist es so, dass die engeren Landescomites nicht rechtzeitig oder überhaupt nicht die nothwendigen Berichte geliefert haben, denn sonst wären sie da. Nun wende ich mich aber hauptsächlich an die russisch Sprechenden in dieser Versammlung. Wenn Sie sich des vorgestrigen Tages erinnern, und dessen, wie der russische Berieht kritisiert wurde» und wie der Bericht des A.-C, also der Bericht über die ganze Bewegung, kritisiert wurde, so werden Sie gar keinen Vergleich dazwischen ziehen können. Dort haben wir Ziffern, Zahlen, Thatsachen, eine Kritik gehört. Es waren Ziffern, und es hiess, es sei noch nicht genug. Hier sind überhaupt keine Ziffern vorhanden, wir wissen nicht einmal recht, in welchem Masse die Anzahl der Schekelzahler ge-