Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German, English, Hebrew
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12 aber dafür umso dornenvolleren Wege wahrlich nicht gefehlt hat, haben diesem Congresse unter anderem auch wegen der Ungunst der Jahreszeit, auf die wir ihn verschiedener, Ihnen bekannter Umstände halber haben verschieben müssen, einen sehr schwachen Besuch vorhergesagt. Sie haben sich wieder einmal, wie schon so oft, in der Kenntnis unserer Genossen, in dem Glauben an ihre Opferwilligkeit und -Fähigkeit gründlich getäuscht (Bravo! Bravö!), und mit doppelter Freude gehen wir daran, den Delegierten unseren Bericht über die Fortschritte und den Stand der zionistischen Bewegung und die Thätigkeit des A.-C. seit dem letzten (Londoner) Congresse Bericht zu erstatten. In Ziffern und Zahlen können wir Ihnen freilich von unserer Bewegung — der Natur derselben gemäss — leider kein rechtes Bild geben. Denn nur ein Bruchtheil unserer Anhängerschaft ist organisiert und registriert. Tausende und Abertausende, die mit uns gleichen Sinnes und Hoffens sind, verfolgen unsere Bestrebungen! zwar mit athemloser Spannung, aber ohne active Theilnahme. Aber darauf kommt es ja auch gar nicht an, sondern auf die Ausbreitung des Volksbewusstseins und die Erkenntnis der Nothwendigkeit der Selbsthilfe. Und aus zahlreichen Zeichen und Symptomen können wir auch heuer, wie glücklicherweise jedes Jahr seit dem ersten Congresse, das Wachsthum unserer Bewegung nach jeder Richtung constatieren. (Lebhafter Beifall.) Wo es nur Juden gibt, und seien sie noch so weit versprengt von den grossen Massen unseres Volkes, wirkt die zionistische Idee durch die Macht der Natürlichkeit sogleich werbend und packend, wenn sie nur hingelangt — sei es durch unser Zuthun oder aber durch irgendwelchen Zufall. Am charakteristischesten für einen derartigen Vorgang ist ein Brief, den unser verehrter Gesinnungsgenosse Dr, Nord au aus Manicore im Staate Amazonas der Vereinigten Staaten von Brasilien erhielt. Der Brief trägt das Datum des T2. März 1901. Amazonas ist der westlichste Staat Brasiliens, der dem Aequator am nächsten gelegene; er ist vom Atlantischen Ocean am weitesten entfernt, mit Europa in geringster Fühlung. Es ist ein Land, das noch zum grossen Theile von Urwäldern bedeckt ist, und fast ausschliesslich von Indianern bevölkert. Nur wenige Weisse wohnen in den wenigen kleinen Städten, darunter einige Juden, deren Voreltern auf der Flucht vor der portugiesischen Inquisition hier Zuflucht fanden. In diese weltferne Gegend dringt durch eine brasilianische Zeitung die dunkle Kunde vom Zionismus, und sie genügt, um die Juden von Manicore, die sich in ihrem Briefe an Dr. Nordau als die dortige »Hebräische Colonie" bezeichnen, zu heller Begeisterung zu entflammen. Sie erkennen im Zionismus die gemein-