Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 225 (sequence 225)
- Language
- German, English, Hebrew
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Berichterstatter Sokoloff: Meine Herren! Es hat sich eine merkwürdige Opposition gegen die Anträge entwickelt. Es ist schwer, mit einer Opposition zu kämpfen, die eigentlich, im Grunde genommen, gar keine Opposition ist. Denn die Herren von der Opposition geben zu, dass sie der Cultur eigentlich sehr günstig gestimmt sind, nur wünschen sie nicht, dass über die Cultur gesprochen werde. Sie selbst aber sprechen über die Cultur. Es ist also viel hier gesprochen worden, und diese Worte kommen ins Protokoll und werden veröffentlicht. Es ist also der Zweck, den die Herren vor Augen haben, verfehlt. Es liegt hier überhaupt ein Missverständnis vor. Wir haben im Cultur^ Ausschusse nicht zu einem endgiltigen Beschlüsse kommen können. Einer der Rabbiner hat erklärt, dass er dagegen ist, dass vom Congresse die Cultur als obligatorisch erklärt werde. Aber ich vertrete eine Gemeinde in Rumänien und halte es für nothwendig, dass der Congress die Cultur subventioniere. Merken Sie. wie gross der Widerspruch ist zwischen Opposition einerseits bei demselben Herrn und der ganz concreten Forderung andererseits, es ist keine Opposition gegen die Cultur, sondern Opportunismus. Wir wollen die Massen nicht abschrecken und den Ausdruck nicht äussern : Die Massen sind culturfeindlich. Eine grössere Beleidigung könnte es nicht geben. Del. Awinowitzki: Ich protestiere, dass ist keine Erklärung. Präs. Dr. Herzl: Ich habe dem Herrn Sokoloff das Schlusswort auf fünf Minuten gegeben. Ref. Sokoloff: Ich spreche nicht im Namen des Ausschusses, aber mir gehört das Wort, als Referent. Die Intervention von Awinowitzki war gar nicht am Platze. Meine Information, die nicht weniger verlässlich ist als die, worüber die Rabbiner verfügen, geht dahin, dass die Massen nicht* culturfeindlich sind. Uebrigens stehen wir auf dem Boden «ies Baseler Programme?, und soweit haben wir die Verpachtung, das jüdische Volksbewusstsein zu fördern. Wir sind Baseier Zionisten, aber keine Rainesianer. Consequenterweise müssen wir liier mit demselben Ernste die Cultur, wie alle anderen Fragen des Zionismus behandeln. Mein Antrag deckt sich im Allgemeinen ganz mit dem Antrage des Hern Doctor Weitzmann. Dieser wünscht den Ausschluss des Wortes .»religiös", indem er behauptet, dass die Kreise, die nicht auf religiöser Basis stehen, mit uns nicht gehen könnten. Ich beantrage ein Amendement, dass die culturelle Arbeit überlassen werde den Lnndes-Commissionen mit Berücksichtigungder Staatsgesetze, der Localbedürfnisse und der verschiedenen religiösen Gefühle der Parteien. In dieser Weise üben wir Toleranz bis zur aussersten Grenze; weiter können wir nicht gehen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Präs. Dr. Herzl: Ich habe dem Congresse zwei Anträge mitzutheilen, respective die Zurückziehung der Resolution Dr. Kahn und gleichzeitig; den Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung. Nun möchte ich diesen Zwischenfall nicht vorübergehen lassen, ohne deutliche Conclusionen gezogen zu haben. Wenn ich Herrn Motzkin und die Gruppe, die seines Sinnes ist, richtig verstehe, so meinen sie mit ihrem Wunsche, dass aus der Resolution Kahn das Wort „religiös" ausgeschaltet werde, durchaus nichts feindliches gegen die Religion (Rufe : Natürlich!), und ich lege besonderes Gewicht darauf, dass das nicht vielleicht späterhin von liier aus in entstellter Form hinausgelange. Die Herren meinen, und sie stehen auf dem Standpunkte, welchen die bisherigen Congresse eingenommen haben, dass wir diese Frage hier gar nicht zu erörtern haben* dass wir dasjenige, worüber Meinungsverschiedenheiten entstehen und "15