Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 208 (sequence 208)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 20S — Lebens, das Gebiet der Stoffe ' \d was von dem Wesen des Menschen darstellbar ist, in jeder früheren Zeit enger und ärmer als in der späteren. Alle Fortschritte der Bildung und der ßegriffsdifferenzicrung zeigen sich zunächst in der vermehrten Fähigkeit der- Sprache, Gedanken und Empfindungen in Worte zu fassen. Man wendet ein, dass die hohe Schönheit des althebräischen Klanges — und niemand bewundert sie mehr als wir — doch dem neuen Styl entgehe, aber auch hier gilt der Vergleich, dass die Formen des Kindes eigenartige, engelhafte Schönheit haben, welche der Leib des Erwachsenen nicht besitzt, dagegen reichlich andere, welche im Ganzen bedeutender und mannigfaltiger sind. Was uns als besondere Schönheit der Alten erscheint, ist im letzten Grunde der grösste Mangel. Unser Kunstsinn möge ihn ehren, ergründen, als Richtschnur für gewisse antiquierte Formen betrachten, aber der Realismus des Lebens gehört dem Neuen. Es ist innere Notwendigkeit, Naturgesetz und hier lässt sich nichts ändern. Eine geistige Hebung nach zwei Richtungen veranschaulicht uns die gesammte literarisch-jüdische Gedankenarbeit. Das wiederkäuende Ungeheuer, die „Melitza", hat nicht nur in der Form, aber auch im Inhalt der unmittelbaren Wahrheit, der wirklichen Lebenskenntnis und einer tieferen Charakteristik den Platz geräumt. Während einerseits das Verständnis für jüdische Art und jüdisches Denken geweckt, arbeiten andererseits weit über das Mittelma(3 hinausragende Kräfte, die höchste Blüte allgemeinmenschlicher Ideen unserem Volke näher zu bringen. Mit gerechtem Stolze darf der Nationalismus einen erheblichen Theil des Verdienstes dieser Entwicklung für sich in Anspruch nehmen. Meine Herren! Wo Rechte sind, da sind auch Pflichten, und deshalb ist es Pflicht des Congresses, innerhalb der selbstverständlichen Grenzen seiner materiellen Mittel der Förderung der hebräischen und allgemein-jüdischen Literatur die grösstmögliche Unterstützung angedeihen zu lassen. (Lebhafter Beifall.) Anstatt eines internationalen, gemischten Ausschusses, der sich als ein zu complicierter, unpraktischer Apparat erwiesen hat, möge für uns — ich spreche über den Osten — die Gründung eines nach den Landesgesetzen und Bedürfnissen einzurichtenden Vereines beschlossen werden. Dies der zweite Punkt meiner Vorlage. Ich hoffe, dass meine Anregung auf einen fruchtbaren Boden fallen wird. Nun kommen wir zuletzt — Achron c h o wy w, oder wie man hier sagt: last, not least — auf die Erziehungsfragen zurück. Rettet die Jaffaer Schule (Lebhafter Beifall und Händeklatschen), den Beth-hosepher, diese Keimzelle einer hebräischen Rennaisance, dieses Schmerzenskind unserer größten Anstrengungen und unserer grössten Hoffnungen! Gedenket der