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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1900-01-01 · 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900 · p. Seite 199

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
Date
1900-01-01
Page
Seite 199 (sequence 199)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 199 — der erstaunlichen Kühnheit dieser Idee, welche dem jüdischen Jammer so muthvoll zuleibe rückt und die schlimmsten Gebreste, darüber .man sonst einen Schleier breitet, auf die Schaubühne .stellt. Ist es nicht ein leerer Wahn, wenn in der andachtsvollen Umgebung der anti-zionistischen Wunderrabbis von jetzt entstandenen Parteikämpfen und von einer jetzt entstandenen angeblichen Gefahr für die Religion gefaselt wird? Zerrinnt aber das Gespenst von dieser Seite, wenn man ihm herzhaft zuleibe geht, so hält dasjenige von der anderen Seite noch weniger dem forschenden Blicke Stand. ... In gewissen Winkeln der Presse, wo die abenteuerlichsten Gerüchte kindischen Glauben linden, wurde der Verdacht laut, der Zionismus erstrebe den vollständigen Rückschritt, zionistische Cultur bedeute Frömmelei; geistige Hebung der Juden sei ein Sichisolieren, eine Theilnahmslosigkeit an menschlichem und bürgerlichem Schaffen, eine Brandmarkung der modernen Bildung und Lebensauffassung, eine übertriebene Pietät für das Alte, Abgestandene, Conservative; Fortschritt hingegen bedeute die Vernichtung der nationalen Eigenart, die Ausserachtlassung der edelsten V olksinstinete, das „ 1 a s c i a t e o g n i speranza," das Aufgeben jeder Hoffnung auf eine glückliche Neugestaltung, die Golusängstlichkeit, die vor dem Rauschen eines dürren Blattes zittert, und die jedes klare, bestimmte und kühne Auft/eten ausschliefst. Nun kann man es den guten Herren nicht verargen, dass sie, bei der massigen Productivität ihres Geistes ihre Losungen einer Generation abhorchen, die schon lange dahin und einem Standpunkte, der schon lange überwunden worden ist, denn nach dem bekannten lateinischen Spruche ist niemand verpflichtet, mehr zu können, als seine Kräfte gestatten; das Sonderbare an der Sache ist nur, dass man diese flache Schablone, diesen Schlendrian der Routine als fortschrittliche Tendenz gelten lassen will. Wissen wir denn nicht, dass eine wahre, moderne Volksbildung nur urwüchsig, ganz aus sich selbst heraus, fern von jeder Modeströmung und von jeder stümperhaften Nachahmung sich entwickeln kann? Wissen wir nicht, dass der Volksgenius, die naivgeniale Natur der Gesammtheit, dieser eigenwillige, machtvolle, spröde Geist jeder Gleichmacherei widerstrebt? Wäre uns diese elementare Grundwahrheit fremd, so könnten wir uns vom Zionismus diese Lehre beherzigen. Meine Herren! Wir im Osten wissen es am allerbesten. Die Hauptschwierigkeit der Volksaufklärung bei uns bestand wesentlich in der hartnäckigen Passivität des Volkes, in seiner Weigerung zu einer Annäherung mit den Gebildeten die Hand zu bieten. Mit Hilfe der Bildung sollte der Jude nach der vorigen Aufklärungsschablone aus seiner jüdischen Sphäre herausgerückt und in einen anderen Kreis, wo angeblich das Schöne, Grosse, Edle und

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