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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1900-01-01 · 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900 · p. Seite 196

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
Date
1900-01-01
Page
Seite 196 (sequence 196)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 106 — künden? Welche grosse Zukunft bereiten wir vor, vielleicht ohne es zu wissen? Das ist die Cultur, die der Zionismus pflegt, das ist der jüdische Geist, der durch den Zionismus zum Ausdruck gelangen soll und das ist die Cultur, für welche wir uns alle begeistern müssen. Denn die Zeit wird kommen, da die Worte des Gesetzes wieder von Jerusalem ausgehen werden (Stürmischer Beifall), und zu gleicher Zeit das Wort Gottes von Zion, wo alle Nationen zusammenkommen und sich an unsere Rockschosse hängen und bitten werden : „Lasst uns doch mit Euch wallfahren zu dem ewigen wahren Gott! Der allein bringt uns Heil — uns und der gesammten Menschheit. (Tosender, langanhaltender Beifall im Saale omd auf den Gallerien. Redner spricht hierauf englisch.) Vicepr. Dr. Nordau: Herr Sokolow hat das Wort. Ref. N. Sokolow-Warschau : Verehrte Versammlung! Nichts ist mehr geeignet, die Gedankenlosigkeit zu fördern und das öffentliche Gewissen zu verwirren, als wenn in Fragen, welche das gemeine Wohl betreffen, an die Stelle der vernünftigen Begründung ein Schlagwort gesetzt wird. Das Motiv lässt sich beleuchten, prüfen, bekämpfen, und je nachdem es die Probe besteht oder nicht, annehmen oder verwerfen. Das Schlagwort hingegen duldet keine Prüfung, keine Bemängelung, keine Einwendung. Man lese nur einmal die vielen Aufsätze, die Flugblätter, die Bannbullen und Excommunicationen, die gegen den geistigen Zionismus geschleudert wurden. Es lockt dem ernstesten Manne ein Lächeln ab, wenn mah sieht, wie mit wichtiger Miene über ein Wort gestritten wird, über ein Buchwort, dessen Verständnis schon einen gewissen Grad von Bildung voraussetzt, wie lichterloh ein förmlicher Zoroaster-Kampf wegen des unschuldigen zweisilbigen Termins „Cultur* entbrannt» mit welch komischem Pathos die Einen diese angeblich verwegene, trotzige „Neuerung" vertheidigen, die Anderen diesen „Dämon41 verjagen. Ist aber zu einer solchen Gespensterfurcht seitens der Frommen im Lande und zu einer solchen "Verteidigung ein positiver Anlass vorhanden? Liegen die religiösen Verhältnisse so, dass jetzt mehr als v o r der zionistischen Propaganda eine greifbare Ursache zu panischem Schrecken existiert? Wiederholentlich wurde ja die vollständige Ausschliessung religiöser und ritueller Fragen hervorgehoben und dabei sehr nachdrücklich accentuiert, dass der Zionismus, diese erste Reifeerscheinung des jüdischen Gesammtbewusstseins, durchdrungen von dem hohen Ernst des nationalen Problems, nach allen religiösen Richtungen hin nur vermittelnd und versöhnend wirken kann.

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