Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1900-01-01 · 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900 · p. Seite 194

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
Date
1900-01-01
Page
Seite 194 (sequence 194)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3476254-3476262--1266-3477402
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

leuchtet hat, und wie die Weisen in der Sage erzählen, jede Höhe und jedes Thal beleuchtet hat, durch das die Juden wandern inussten, damit sie keinen Schwierigkeiten auf dem Marsche begegnen. Und wenn wir das Bild auf unsere modernen Verhaltnisse auwenden, dann passt es ganz wunderbar. Denn was hat der Zionismus in dieser Beziehung eulturell erzielt? Er hat diejenigen, diu in den Thälern gewohnt haben, hoher hinaufgetragen, er hat diejenigen Juden, die es glaubten oder die wirklich auf den Höhen der Civilisation standen oder auf den Bergen, die vom (Jlanz der Sonne unischienen sind, von dort heruntergebracht, und das Resultat ist, dass wir vom Osten und Westen, vom Süden und Norden des Erdballs uns alle zusammenlinden in einem Gedanken, in einer Hoffnung. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Wir werden alle auf einem Pfade geführt und da finden wir uns alle zusammen, wir lernen uns gegenseitig kennen, wir . lernen uns gegenseitig achten, wir lernen uns gegenseitig lieben, wir suchen die Verschiedenheiten zu vergessen, wir suchen das, was uns verbindet und einigt, wir suchen das heraus, was uns wieder zusammenknüpft und aus den zerstreuten Gliedern einen lebendigen ()rganismus schafft, die jüdische Nation. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Das ist das eulturelle Moment, das ist die eulturelle Bedeutung des Zionismus, die ich für meine Ptlicht gehalten habe, hier gerade zu dieser Zeit und gerade in dieser Periode, wo wir von einer praktischen, wenn ich sagen darf, zu einer cuituielien, zu einer geistigen Hebung hinübergehen, als Brücke hinüberzuschlagen. Ich habe es als nothwendig erachtet, hier wieder einmal zu betonen, dass wir alsZionisten die Frage der Religion als unantastbar betrachten und als solche nicht discutierbar, dass wir individuelle Freiheit in jeder Beziehung üben, dass wir gegenseitig Toleranz jedenfalls in dieser Beziehung einer dem andern gegenüber üben müssen, aber dass wir unseinigen müssen, dass wir ganz anderen Idealen nachzustreben haben. Der Geist, der wieder wachgerufen worden ist, der wieder durch die todten Knochen bläst, hat auch unsere Bibel aufgemacht, und man kann die Blätter sehen, wie sie sich allmählich aufrollen. Die Worte der Vergangenheit, dir4 Stimmen jener Zeit klingen wieder an unser Ohr und wir sehen allmählich, dass aus dieser ganzen Vergangenheit sich uns verhältnismässig wenig hinüber gerettet hat. In dem Schatten von Palästina, unter den Ruinen von Jerusalem liegen nach alter Sage die Geräthe des Ileiligthums begraben. Wenige, sehr wenige davon haben uns auf die 2000 jährige Wanderung begleitet und wir kehren heim reich beladen. Womit? Mit etwas Grossem und etwas, was ewig ist in den geistigen Leistungen der Nation. Aber wir müssen hier klar hervorheben, was wir als jüdische Cultur begreifen. Wir lernen von allen, um es bei uns und durch uns durchzuarbeiten, um aus dieser Gesammtmasse der Blumen, die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.