Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 192 (sequence 192)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476262--1264-3477400- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 1«>2 — Kein Kampf, keine Zwietracht, keine Spaltung! Aber, meine Damen und Herren, so discipliniert sind wir jetzt alle, um zu wissen, dass solche Vereine doch thatsäehlich nur aus zahlenden Mitgliedern bestehen, die zu gleicher Zeit dann das Wahlrecht besitzen. Dies genügt, und ich glaube, wir werden dann wissen, die Sache weiter auszubilden. Dann werden wir einen neuen Geist in diese alte Form giessen, ein neues Leben wird wieder erweckt werden: denn wir sind diejenigen, welche die Grüfte aufmachen,, welche die Särge sprengen, aus welchen wir unser Volk in ein neues Leben führen wollen. Wir wollen dem Volke den alten Geist wieder beleben. (Lebhafter Beilall und Händeklatschen.) Wie wunderbar ist — ich muss darauf zurückkommen, spreche ich doch von unserem modernen Leben — jene Episode aus der Geschichte unseres Volkes. Wieder einmal brachen Verfolgungen aus gegen die Juden der westlichen Länder, und da schrieben die portugiesischen Juden» welche unter dem milden Scepter des Sultans eine neue Heimat gefunden hatten, jenen berühmten Brief an ihre Brüder, die verfolgt waren in den Ländern des Westens: Kommet doch zu uns, das Land ist frei, der Herrscher ist wohlgesinnt, das Volk ist freundlich, und wir empfangen Euch mit offenen Armen. (Stürmischer Beifall.) Und ist es nicht, als ob die alte Geschichte sich wiederholte. Während die Thore des Westens den Juden verschlossen werden, öffnet der Sultan die Thore des Ostens (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.), und während die Taschen der Beiehen des Westens zugeknöpft sind, öffnet der Sultan seine eigenen Taschen, um den Hungernden, die zu Schiffe nach O.onstantinopel kamen, Brot und Nahrung zu geben. (Erneuerter stürmischer Beifall und l ländeklal sehen.) Aber damit ist doch wenig. Das war doch nur eigentlich eine Art Hoffnung, eine kleine Episode in unserem Leben. Was hat der Zionismus als culturelles Element in unserem Judenthum bis jetzt geschahen? Er hat mehr geschaffen, als die ganze Entwicklung dieses Jahrhunderts. Während dieses Jahi hundert die Juden von der Vergangenheit entwöhnt, während wir uns gewöhnt hatten, die Bibel, die Literatur, den Geist, die Geschichte, wenn Sie wollen, als antiquarische Sächelchen zu bewundern, aber in den Winkel zu stellen und sorgfältig zu hüten, hat unsere Bewegung hingegen alles das wieder umgestürzt. Sie hat uns Juden wieder auf den richtigen Pfad geleitet, sie hat uns Juden wieder das Ideal gegeben, welches lange Zeit in unserem Innern gelebt, welches für uns nur ein Traum der Vergangenheit war, und jetzt allmälig unserer Jugend nicht als ein Traum oder eine Vision, nicht wie eineFata Morgana in der Wüste erschien, sondern als eine Möglichkeit, die nur davon abhängt, dass wii daran glauben, um sie in die Wirk-