Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1900-01-01 · 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900 · p. Seite 131

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
Date
1900-01-01
Page
Seite 131 (sequence 131)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3476254-3476262--1203-3477339
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— VM — dem Ertrinken nahe, sieb an den eigenen Zopf fasste und aus dem Sumpfe zog. Ich komme daher zum letzten Schlüsse, zu meinem ceterum censeo, zu der These, die ich in Gemeinschaft meiner Gesinnungsgenossen, in Gemeinschaft aller Zionisten aufzustellen wage: „Das Ghetto-Judenthum kann im Ghetto seihst physisch, also auch moralisch nicht gesunden; das kann nur ausserhalb desselben, auf eigenem Grunde und Hoden (Beifall), und zwar in dem einzigen Lande geschehen, wo es überhaupt auf dein ganzen Erdenrund ruhig geduldet werden wird; in einein Lande, wo es neue Säfte und Kräfte zu seiner körperlichen und geistigen Hebung ziehen muss. Nur eine mit grosser Um- und Vorsicht geleitete Massenemigration nach Palästina, dem Anziehungspunkte pur excellence der Ghetto-Juden (Lebhafter Beifall und Händeklatschen), kann mit der Zeit ein neues, frisches Judengeschlecht heranwachsen sehen (Lebhafter Beifall und Händeklatschen) — das jetzige ist physich als halb verkommen aufzugeben — ein Geschlecht, welches, durch die unendlichen Leiden und Oualen seiner Altvordern geläutert, vielleicht der Welt zum zweitenmale eine Heilslehre verkünden würde, die Heilsiehre von der socialen Gerechtigkeit, die bis nun allüberall so schnöde mit Füssen getreten wird, und deren Missachtung die Menschheit an den Hand der moralischen Versumpfung zu führen droht. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Diese grosse Autgabe, vielleicht eine der grössten des anbrechenden Jahrhunderts, könnte wohl gelöst werden, wenn die gesammte Judenheit es nur wollte; wenn die Juden endlich ihr Marranenthum, das zu nichts führt und sie nur lächerlich und den arischen Völkern verächtlich macht, abstreifen, Farbe bekennen und sich als Nation wiederfinden wollten (Stürmischer Beifall und Händeklatschen); wenn die Juden all die Millionen, die sie jährlich für verschiedene Stiftungen verwenden, welche am wenigsten den Juden zugute kommen, dem Zwecke der Golonisation Palästinas zuwenden würden; wenn die Juden ein-für allemal den Gedanken aufgeben würden, dass sie durch Grossmuth einerseits und andererseits durch Liebedienerei die Volksmassen ihrer arischen Nachbarn toleranter und hochherziger stimmen werden. Auf die Verbrüderung des ganzen Menschengeschlechtes dürfen wir in absehbarer Zeit am allerwenigsten rechnen — das gibt's nicht! Vorläufig „sehe jeder, was er treibe, sehe jeder, wo er bleibe, und wer steht, dass er nicht fallett. — An dem Tage, an welchem ich die Morgenröthe einer körperlichen und geistigen Gesundung meines Volkes erblicken würde, würde ich frohlockend ausrufen : „Ich habe genug gelebt!*4 (Stürmischer, langanhaltender Beifall und Händeklatschen. Redner wird beglückwünscht.) u*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.