Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 130)
- Language
- German, English, Hebrew
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— IM) — Dafür aber wäre Sorge zu tragen, dass Taglöhner, die den Sommer über in den Städten und Städtchen unbeschäftigt herumlungern, mit Hilfe von Vorständen sich organisieren und für die Säe- und Erntezeit Arbeit bei den jüdischen Gutsbesitzern, die hie und da anzutreffen, und auch bei niehtjüdischen — suchten. Der doppelte Zweck: die nothdürftigste Versorgung für den Winter und ein längerer Aufenthalt in frischer Landiuft — wäre dadurch erreicht. Ks müssten landwirtschaftliche Musterfarmen nebst Baumschulen für jüdische Knaben, wie deren bereits einige vorhanden, in grösserer Zahl errichtet werden; mit verhältnismässig geringen Mitteln sind solche zu beschallen. Ebenso wie für den männlichen Theil, sollte auch für den weiblichen gesorgt werden durch Errichtung von Elementar- und Fachschulen, damit sie etwas lernen und verstellen und auf eigenen Füssen stehen, anstatt sich fast im Kindesalter zu verheiraten und aufs Heiraten ausschliesslich angewiesen zu sein. Es müsste nach Möglichkeit durch dieAerzte immerfort gegen diese gesundheitswidrige Sitte gepredigt werden; ebenso müsste den Frauen eingeschärft werden, dass die mosaischen und talmudischen Reinlichkeitsgesetze noch bis jetzt als vorzügliche hygienischeMassregeln gelten könnten (Beifall), wenn sie nicht entweder ganz ignoriert oder in gesundheitsschädigender Form angewandt werden würden, wie es z. B. mit den rituellen Bädern der Fall. Es wäre ferner die Errichtung von Tageskrippen für arme Kinder, deren Eltern tagsüber vom Hause abwesend sind, zu empfehlen: solche würden viel zum körperlichen Wohlbeiinden, zur Reinhaltung des Leibes dieser verwahrlosten Geschöpfe beitragen; ebenso müsste man Ferienasyle für kranke Kinder ins Leben rufen. Wie gesagt, würden die Palliativmittel, die ich In Aussicht genommen, nicht nur die Energie und Selbsthilfe der Ghetto-Juden aufs höchste anspannen, sondern auch die Wohlthätigkeit der Reichen in grösstem Masse in Anspruch nehmen. Diese Wohlthätigkeit aber würde ihre Grenze darin linden, dass dieselbe schon jetzt mit den so häufig vorkommenden Feuersbrünsten, Hungersnöthen, Ueberschwemmungen, Judenkrawallen, welche sich ebenfalls als Naturnotwendigkeit eingebürgert haben etc., vollauf zu thun hat, und ausserdem ist der wichtige Umstand zu berücksichtigen, dass die allgemeine Judenmisere, die auf alle Geselischattsciassen zurückwirkt, jahrein, jahraus tausende wohlhabender Juden an den Bettelstab bringt. Die Schwierigkeiten mithin, die sich einer physischen Hebung der Juden innerhalb des Ghetto bieten, sind nicht viel geringer, als diejenige war, weiche Baron Münchhausen seligen Andenkens, zu überwinden hatte, als er einst in einen Sumpf gerathen und,