Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 129)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 129 spannen müssten, um, wenn auch nur theilweise, realisiert zu werden. Zu diesen Palliativmitteln würde in erster Reihe eine Reform der Judenschulen, derCheders und Talmud-Thoras und der Jeschiboths gehören. Nach dem Obenerwähnten wird eben in diesen Schulen der erste Keim zur Körperverkrüppelung der heranwachsenden Jugend gelegt Wenn überhaupt den besser situierten Ghettojuden das Schicksal ihrer Glaubensgenossen am Herzen liegt, so müssen diese Brutstätten jeglicher Krankheiten durch Schulen mit hellen, luftigen Räumen, den Erfordernissen der Hygiene entsprechend, ersetzt werden; der Unterricht müsste competenten Händen anvertraut werden, wozu specielle Lehrerseminare ins Leben gerufen und fürs erste aus dem jetzigen Material die besten Kräfte herangezogen werden müssten. Es müsste in den Schulen obligatorisch Gymnastik eingeführt werden, wobei wir allerdings nicht sowohl auf den Widerstand der Behörden, als vielmehr auf den der orthodoxen Dunkelmänner stossen würden, der „Sohar-Anbeter*, die da im Gegensatze zum Talmud behaupten, dass .je schwächer der Körper, desto gesünder der Geist". (Lebhafter Beifall.) Es müssten in den grösseren jüdischen Centren tüchtige Ilandwerkrr^chulen, nach dem Muster der Odessaer, der bekannten „TrucP errichtet werden. Wir würden dann die Quantität der Handwerker durch die Qualität ersetzen, und tüchtig geschulte Handwerker könnten überall Verwendung linden. Es müssten Turnvereine ins Leben gerufen werden (Beifall), wozu die Behörden, wie ich glaube, gern ihre Einwilligung geben würden, indem die Jünglinge zu tüchtigen Soldaten herangezogen und der Percentsatz der zum Militärdienst Untauglichen bedeutend herabgesetzt werden würde. Es müsste den jungen Recruten eingeprägt und durch Wort und Schrift klar gemacht werden, dass sie während ihrer Dienstzeit sich dem Soldatenhandwerk mit Leib und Seele ergeben und alle noch so schweren Pflichten aufs peinlichste erfüllen. Sie würden dadurch nicht nur ihrer Bürgerpflicht genügen, sondern vor allen Dingen sich selbst den grössten Nutzen bringen und ihren schwachen Körper stärken. In den kleineren Städten, die bald hier, bald da alljährlich ein R.aub der Flammen werden und hunderte von Familien an den Bettelstab bringen, müssten durchaus freiwillige Feuerwehr- Vereine ereiert werden, wozu alle Insassen, wenn auch nur einen minimalen Beitrag liefern müssten. Für die Fabriksarbeiter und die Arbeiter in grösseren Werkstätten und gegen alle Uebelstände, die dort vorkommen, ist an eine Selbsthilfe insofern nicht zu denken, als diese brennenden Fragen keine specitisch jüdischen, sondern allgemeiner Natur sind und ausserhalb des Rahmens unserer Gompetenz liegen.?>