Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 127 (sequence 127)
- Language
- German, English, Hebrew
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vereine, welche arme Wöchnerinnen materiell unterstützen. Alsdann nährt die jüdische Frau gewöhnlich ihr Kind seihst, anstatt es Aminen anzuvertrauen, Bäuerinnen zu überantworten, welche es verhungern lassen, oder gar Findelhäusern, in welchen die Kinder zu hunderten zugrunde gehen. Es gibt eben viel weniger uneheliche Kinder, es kommen viel weniger Frühgeburten vor. Diese Thatsachen, und ausserdem der Umstand, dass die Juden die Pockenimpfung regelmässig durchführen, bedingt eine auffallend geringe Kindersterblichkeit in den ersten Lebensjahren, und zwar eine viel geringere, als unter der nichtjüdischen Bevölkerung. Alles das hat viele, sogar namhafte Aerzte zu dem Vorurtheile verleitet, dass die Lebensfähigkeit und Fruchtbarkeit der Juden eine Rassen-Eigenthümiichkeit sei. Alsdann kommt noch die Massigkeit der Juden in »Speise und Trank, sowie ihre, vom Gesetze anbefohlene Hygiene im Eheleben hinzu, ferner ist die Sorgfalt der Juden für ihre Kranken und die Geneigtheit zu berücksichtigen, mit welcher sie sich einer ärztlichen Behandlung unterziehen, und das genaue Befolgen ärztlicher Vorschriften. Dieser Umstand erklärt auch, dass bei manchen Epidemien, wie zum Beispiel der Cholera, die .Sterblichkeit <ler Juden manchmal eine geringere ist, als die der Nichtjuden. Es ist einem jeden vielbeschäftigten Arzte geradezu auffallend, wie manchmal wegen eines kranken Kindes oder eines anderen Familienmitgliedes — Vater, Mutter und womöglich sogar Grossmutter in sein Consultations-Zimmer dringen, wie gerne die Juden Consultationen mit ärztlichen Autoritäten verlangen und den letzten bitter ersparten Pfennig dafür herstrecken — im crassen Gegensatze zu der nichtjüdischen Bevölkerung, namentlich der Bauern, die mit geradezu beneidenswertem, fatalistischem Gleichmuth ihr Schicksal, Leben oder Tod, erwarten. Der Hauptgrund aber der Widerstandsfähigkeit der Juden war bis jetzt der, dass sie keine Trinker, keine Alkoholiker und von einer gewissen, durch ein ausschweifendes Leben bedingten ansteckenden Krankheit nicht durchseucht waren; zwei Uebel, die unter der nichtjüdischen Bevölkerung tausende und tausende hinraffen und eine degenerierte Nachkommenschalt erzeugen. Gibt es ja bei uns ganze Bauerndörfer, die von diesen Uebeln durchseucht sind. Allerdings muss ich zu meinem grössten Leidwesen constatieren, dass nach dieser Richtung hin die Widerstandsfähigkeit der Juden in letzter Zeit abnimmt, seitdem nämlich die besser situierten Juden, die mit der nichtjüdischen Bevölkerung in Berührung treten, sich assimilieren, mit der äusseren Hülle des orthodoxen Judenthums zugleich den ethischen Kern desselben über Bord werfen und sich Excessen jeglicher Art hingeben. Es gibt bereits in einer der grössten Ghettostädte ein jüdisches Hospital für die oben er-