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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1900-01-01 · 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900 · p. Seite 119

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
Date
1900-01-01
Page
Seite 119 (sequence 119)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— II!» — Ein Nest von lOüü bis rlUOU .oder mehr Seelen, gewöhnlieh von der Landstrasse abgelesen, mit erbärmlicher Wegecommunic.ilion, ans I loizbaracken aufgebaut, die jeden Augenblick einzustürzen oder ein Raub der Flammen zu werden drohen, mit einem llofraum, weit genug, um eine primitiv hergerichtete Senkgrube zu fassen, mit Gassen und Gässchen ohne-Pflaster, die nach, einem jeden Regen grosse Lachen und Wasserpfützen bilden, in welchen halbnackte Kinder hermuwaten, resp. ihre Gesiehtchen waschen, oder ein aus dem benachbarten Bauerndorfe verirrtes Schwein sich mit Behagen herumwälzt: enge, dum}>fe, kleine Stuben, häutig ohne Dielen und anstatt solcher ein Gemisch von Lehm und Schmutz, in weichem Mikroben zu Millionen wimmeln; eine Synagoge, die eher einer schmutzigen Scheune, als einem Gotteshause gleicht; Schulen - Cheders — kleine Wohnräume, in welchen 10 bis 15 Rangen vom frühen Morgen bis zum späten Abend über den Rüchern hocken, bei einer Beleuchtung, die einem Zwielicht gleicht und durch zwei bis drei kleine Fensterchen besorgt wird, die manchmal, statt Glasscheiben zu besitzen, mit halbdurchsichtigem Papier beklebt sind; kleine Verkaufbuden, dicht nebeneinander gesäet, vor welchen Verkäufer oder Verkäuferinnen, bei Hitze und Kälte, tagsüber auf einer ilolzbank kauernd, nach Kunden spähen und, falls ein Bauer sich zeigt, über ihn wie ein Rudel hungriger Wöife herfallen, um ihn, manchmal mit Brachialgewalt, in ihren Laden zu locken; Schuster- und Schneiderwerkstätten, aus einem einzigen Zimmer bestehend, in welchem neben dein Meister und seinen Lehrlingen gleichzeitig Säugekindcr in an der Decke» befestigten Wiegen ruhen und halbwücliHge Knaben und Mädchen sich herumtummeln; zwischen diesen elenden I lolzbaracken hie und da ein Ziegelhaus, in welchem der Vornehme des Städtchens, der „Gwir4, oder der Vertreter der Polizeibehörde wohnt: das ist das ungefähre Bild eines Ghetto- Städtchens, deren es unzählige gibt und die sicli wie Fiterpusteln auf einer gesunden Haut ausnehmen. In den grösseren Judeuceutren allerdings sieht's schon viel besser aus : denn letztere bieten eine gemischte, jüdische und christliche Bevölkerung, heissen in Russland „Kreis- und Gouvernenientsstädte", haben bereits geordnete, städtische Verhältnisse, beherbergen in ihrem Weichbilde stattliche Gerichts- und Polizeigebäude, Mädchen- und Knaben-Gymnasien, vi ewerbeschulen, Fabriken etc. etc. Wenn aber auch diese grösseren Städte bereits an europäisch geordnete Verhältnisse erinnern, wenn auch viele Juden daselbst, die zu Wohlhabenheit und Reichthum gelangt, in stattlichen, schönen Häusern wohnen, so ist auch hier der äussere Schein trügerisch, und ist es nur nöthig, mit objectivem Sinn in die Schlupfwinkel des Massenelends zu dringen, um die unzweifelhafte Gewissheit zu erlangen, dass es „da unten ganz fürchterlich" |

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