Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1900-01-01 · 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900 · p. Seite 118

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
Date
1900-01-01
Page
Seite 118 (sequence 118)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3476254-3476262--1190-3477326
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— IIS — gesunden Leibe ein {resümier, entschlossener Mannesgeist hausen kann, und daher mit der seltensten Consequenz für die harmonische Entwicklung des (ieistes und des Körpers seiner Bürger sorgt; wird sicherlich auch diesmal, wie es oft schon früher gethan, Verständnis und moralische Unterstützung dem Volke entgegenbringen, welches unter dem Hochdrücke socialen Elends körperlich so furchtbar verkommen ist und bloss noch ein in Haut und Knochen gehülltes, j-eges (ichirn besitzt, das in unermüdlicher Gedankenarbeit über die Mittel seiner Selbsterhaltung sinnt. Es versteht sich nun von selbst, dass ich die körperliche Hebung der Ghettojuden nicht eher besprechen kann, bevor ich nicht die hochverehrte Versammlung mit dem Milieu, dem Medium bekannt gemacht haben werde, innerhalb dessen diese Unglücklichen leben oder besser gesagt: vegetieren. Von diesem Milieu wird sich aber, trotz meiner Schilderung, derjenige schwer einen Begriff machen können, welcher nicht unter den Ghettojuden gelebt, oder der nicht, wenigstens tlüchtig, das Ghetto angeschaut hat. Dennoch will ich die hochverehrte Versammlung auffordern, dass sie sich auf einen Augenblick im Geiste in das Judenviertel des East End versetze, etwa in das Whitechapel mit seineu dumpfen, schmutzigen Nebengässchen, seinem Elend und Jammer, und dass sie sich alsdann diesen Theil des East End in hunderttausend facher Vergrösserung vorstelle, auf einen Flächen räum von über 20.000 Quadratmeilen ausgedehnt, gleichsam als East End ohne Ende, mit etwa G—7 Millionen Insassen: und alsdann noch wird die hochverehrte Versammlung bloss ein abgeblasstes Bild von dem erlangen, was man das Ghetto des Ostens nennt. Diese meine Behauptung könnte manchem allerdings als übertrieben erscheinen, indem ein Flächenraum von über 20,000 Quadratmeilen vollkommen genügen sollte, um nicht nur sieben Millionen, sondern die dreifache Zahl von Menschen sowohl reichlich zu* ernähren, als auch mit einem grenzenlosen Reservoir frischer, gesunder Luft zu versorgen. Das wäre allerdings ganz richtig, wenn die Juden nicht ausschliesslich in den Städten und Städtchen eingepfercht wären, und wenn, mit sehr winzigen Ausnahmen, das ilache Land ihnen nicht unzugänglich gemacht worden wäre. Was einst in den Dörfern gelebt und die Vortheile genoss, welche Wald, Wiese und Flur dem körperlichen Wohlbetinden des Menschen bieten, wurde von da vertrieben, in die Flecken und Städtchen gejagt und daselbst auf einen so engen, antihygienischen Raum zusammengedrängt, dass es diesen Elenden just so ergeht, wie jenem Thiere auf dürrer Heide, „von einem bösen Geist im Kreis herumgeführt, und ringsumher ist frische, saft'ge Weide**. Auf diese Weise ist die jüdische Bevölkerung des Ghetto der elementarsten Bedingungen beraubt, die eine einigermassen normale, leibliche Entwicklung der Volksmassen gestatten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.